MathematikKlasse 10–12

Monotonie, Extrem- und Wendestellen

Untersuche einen Graphen Schritt für Schritt: Nullstellen, Hoch- und Tiefpunkte, Wendepunkte und wo er steigt oder fällt.

Simulation wird geladen …

Worum geht es?

Bei einer Funktionsuntersuchung (Kurvendiskussion) liest man mit Hilfe der Ableitungen ab, wo der Graph von ff steigt oder fällt, wo er Hoch- und Tiefpunkte hat und wo er seine Krümmung ändert. Die Simulation geht in sieben Schritten vor:

  1. Ableitungen bilden: mit der Potenzregel (xn)′=n⋅xn−1(x^n)' = n \cdot x^{n-1} für jeden Summanden, z. B. f(x)=x3−3xf(x) = x^3 - 3x, f′(x)=3x2−3f'(x) = 3x^2 - 3, f′′(x)=6xf''(x) = 6x.
  2. Symmetrie und Verhalten für x→±∞x \to \pm\infty: Nur gerade Hochzahlen ⇒ achsensymmetrisch zur yy-Achse, nur ungerade ⇒ punktsymmetrisch zum Ursprung. Für x→±∞x \to \pm\infty entscheidet der Summand mit der höchsten Hochzahl.
  3. Nullstellen: f(x)=0f(x) = 0, oft durch Ausklammern oder Substitution.
  4. Notwendige Bedingung: An einer Extremstelle ist die Tangente waagrecht, also f′(x0)=0f'(x_0) = 0. Die Lösungen sind nur Kandidaten.
  5. Hinreichende Bedingung: Wechselt f′f' bei x0x_0 das Vorzeichen von ++ nach −-, liegt ein Hochpunkt vor, von −- nach ++ ein Tiefpunkt. Ohne Vorzeichenwechsel (VZW) ist es ein Terrassenpunkt. Gegenprobe mit dem f′′f''-Kriterium: f′′(x0)<0f''(x_0) < 0 ⇒ Hochpunkt, f′′(x0)>0f''(x_0) > 0 ⇒ Tiefpunkt.
  6. Wendestellen: f′′(x0)=0f''(x_0) = 0 mit Vorzeichenwechsel von f′′f'' (hinreichend auch: f′′′(x0)≠0f'''(x_0) \neq 0). Dort wechselt der Graph zwischen Linkskurve (f′′>0f'' > 0) und Rechtskurve (f′′<0f'' < 0).
  7. Monotonie und Krümmung: Wo f′>0f' > 0, ist ff streng monoton steigend, wo f′<0f' < 0, streng monoton fallend.

Die Vorzeichentabelle fasst Schritt 5 zusammen. Für f(x)=x3−3xf(x) = x^3 - 3x mit f′(x)=3(x+1)(x−1)f'(x) = 3(x + 1)(x - 1):

xx x<−1x < -1 −1-1 −1<x<1-1 < x < 1 11 x>1x > 1
f′(x)f'(x) ++ 00 −- 00 ++
GfG_f steigt H(−1∣2)H(-1 \mid 2) fällt T(1∣−2)T(1 \mid -2) steigt

Also ist ff streng monoton steigend in ]−∞;−1]]-\infty; -1] und [1;∞[[1; \infty[, fallend in [−1;1][-1; 1]. Aus f′′(x)=6x=0f''(x) = 6x = 0 folgt der Wendepunkt W(0∣0)W(0 \mid 0).

Vorsicht beim f′′f''-Kriterium: Ist f′′(x0)=0f''(x_0) = 0, sagt es nichts aus. f(x)=x4f(x) = x^4 hat bei 00 trotzdem einen Tiefpunkt (f′f' wechselt von −- nach ++), aber keinen Wendepunkt, weil f′′(x)=12x2f''(x) = 12x^2 das Vorzeichen nicht wechselt. f(x)=x3f(x) = x^3 hat bei 00 einen Terrassenpunkt – das ist zugleich ein Wendepunkt mit waagrechter Tangente.

In der Simulation stehen die Graphen von f′f' und f′′f'' mit gemeinsamer xx-Achse unter ff. Die Fläche zwischen Graph und xx-Achse ist oberhalb der Achse (++) grün und unterhalb (−-) rot gefärbt. Gestrichelte Linien verbinden die Nullstellen von f′f' mit den Extrempunkten und die von f′′f'' mit den Wendepunkten. Der Punkt PP trägt die Tangente: Ihre Steigung ist genau der Wert von f′f' darunter.

Ausprobieren

  1. f(x) = x³ − 3x: Drücke mehrmals „Nächster Schritt“ (oder tippe die Punkte 1–7 in der Karte an) und verfolge, wie sich die Vorzeichentabelle Zelle für Zelle füllt.
  2. Ziehe PP langsam über den Graphen oder drücke „Tangente wandern lassen“. Wo ist der Balken im Bild von f′f' am längsten, wo verschwindet er? An einer waagrechten Tangente rastet PP ein. Tangente bei x₀ = 2: Prüfe t(x)=9x−16t(x) = 9x - 16.
  3. Ziehe den Punkt auf der yy-Achse nach oben und unten. Was ändert sich an f′f' und f′′f'', was an den Extremstellen und an den Hoch- und Tiefwerten?
  4. Verändere den Koeffizienten vor xx in x³ + c·x. Ab welchem Wert von cc verschwinden Hoch- und Tiefpunkt?
  5. Terrassenpunkt x³ und x⁴: Vergleiche jeweils die Vorzeichentabellen von f′f' und f′′f''. Warum ist x=0x = 0 einmal ein Extremum und einmal nicht?

Aufgaben

Aufgabe 1: Vollständige Untersuchung

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Untersuche f(x)=−x3+3x2f(x) = -x^3 + 3x^2 auf Extrem- und Wendepunkte und gib die Monotonieintervalle an.

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f′(x)=−3x2+6x=−3x(x−2)f'(x) = -3x^2 + 6x = -3x(x - 2), Kandidaten 00 und 22. Vorzeichen von f′f': −∣+∣−- \mid + \mid -, also T(0∣0)T(0 \mid 0) und H(2∣4)H(2 \mid 4); Gegenprobe f′′(0)=6>0f''(0) = 6 > 0, f′′(2)=−6<0f''(2) = -6 < 0. f′′(x)=−6x+6=0⇒x=1f''(x) = -6x + 6 = 0 \Rightarrow x = 1 mit VZW: W(1∣2)W(1 \mid 2). Streng monoton fallend in ]−∞;0]]-\infty; 0] und [2;∞[[2; \infty[, steigend in [0;2][0; 2]. In der Simulation zeigen

Aufgabe 2: W-Form

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Bestimme Extrem- und Wendepunkte von f(x)=x4−2x2f(x) = x^4 - 2x^2.

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f′(x)=4x3−4x=4x(x−1)(x+1)f'(x) = 4x^3 - 4x = 4x(x - 1)(x + 1): Kandidaten −1-1, 00, 11. Vorzeichen −∣+∣−∣+- \mid + \mid - \mid +, also T(−1∣−1)T(-1 \mid -1), H(0∣0)H(0 \mid 0), T(1∣−1)T(1 \mid -1). f′′(x)=12x2−4=0⇒x=±13≈±0,58f''(x) = 12x^2 - 4 = 0 \Rightarrow x = \pm\frac{1}{\sqrt{3}} \approx \pm 0{,}58 mit VZW; f(±13)=19−23=−59≈−0,56f\left(\pm\frac{1}{\sqrt{3}}\right) = \frac{1}{9} - \frac{2}{3} = -\frac{5}{9} \approx -0{,}56. Wegen der Achsensymmetrie genügt es, x≥0x \geq 0 zu untersuchen. In der Simulation zeigen

Aufgabe 3: Wenn das f″-Kriterium schweigt

Zeige, dass f′(x0)=0f'(x_0) = 0 nicht hinreichend für eine Extremstelle ist, und dass aus f′′(x0)=0f''(x_0) = 0 nicht „kein Extremum“ folgt.

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f(x)=x3f(x) = x^3: f′(0)=0f'(0) = 0, aber f′(x)=3x2f'(x) = 3x^2 ist links und rechts von 00 positiv – kein VZW, also ein Terrassenpunkt (0∣0)(0 \mid 0). Zeigen f(x)=x4f(x) = x^4: f′(0)=0f'(0) = 0 und f′′(0)=0f''(0) = 0, doch f′(x)=4x3f'(x) = 4x^3 wechselt von −- nach ++: Tiefpunkt (0∣0)(0 \mid 0). Zeigen

Aufgabe 4: Kurvendiskussion in sieben Schritten

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Untersuche f(x)=−0,25x4+x3f(x) = -0{,}25x^4 + x^3 vollständig: Symmetrie, Verhalten für x→±∞x \to \pm\infty, Nullstellen, Extrem- und Wendepunkte, Monotonie und Krümmung.

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Gerade und ungerade Hochzahlen: keine einfache Symmetrie. Leitkoeffizient −0,25-0{,}25 bei Grad 44: f(x)→−∞f(x) \to -\infty für x→±∞x \to \pm\infty. Nullstellen: x3(1−0,25x)=0⇒x=0x^3(1 - 0{,}25x) = 0 \Rightarrow x = 0 (dreifach) und x=4x = 4. f′(x)=−x3+3x2=x2(3−x)f'(x) = -x^3 + 3x^2 = x^2(3 - x): bei 00 kein VZW (Terrassenpunkt (0∣0)(0 \mid 0)), bei 33 von ++ nach −-: H(3∣6,75)H(3 \mid 6{,}75), Gegenprobe f′′(3)=−9<0f''(3) = -9 < 0. f′′(x)=−3x2+6x=−3x(x−2)f''(x) = -3x^2 + 6x = -3x(x - 2): W1(0∣0)W_1(0 \mid 0) und W2(2∣4)W_2(2 \mid 4). Streng monoton steigend in ]−∞;3]]-\infty; 3], fallend in [3;∞[[3; \infty[; rechtsgekrümmt in ]−∞;0[]-\infty; 0[ und ]2;∞[]2; \infty[, linksgekrümmt in ]0;2[]0; 2[. In der Simulation zeigen

Aufgabe 5: Steckbrief selbst erstellen

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Erstelle den Steckbrief von f(x)=x3−3x2+2f(x) = x^3 - 3x^2 + 2 und decke die Ergebnisse danach Schritt für Schritt auf.

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f′(x)=3x2−6x=3x(x−2)f'(x) = 3x^2 - 6x = 3x(x - 2): H(0∣2)H(0 \mid 2) wegen f′′(0)=−6<0f''(0) = -6 < 0 und T(2∣−2)T(2 \mid -2) wegen f′′(2)=6>0f''(2) = 6 > 0. f′′(x)=6x−6=0⇒W(1∣0)f''(x) = 6x - 6 = 0 \Rightarrow W(1 \mid 0). Nullstellen: x=1x = 1 und aus x2−2x−2=0x^2 - 2x - 2 = 0 noch x=1±3x = 1 \pm \sqrt{3}, also x≈−0,73x \approx -0{,}73 und x≈2,73x \approx 2{,}73. Keine Symmetrie zum Ursprung oder zur yy-Achse (der Graph ist aber punktsymmetrisch zum Wendepunkt). In der Simulation zeigen

Ideen für den Unterricht

  • Einsatz: Die Simulation passt zur Oberstufe, Anwendung der Differentialrechnung bei der Untersuchung ganzrationaler Funktionen. Die Schritte 2 und 3 (Symmetrie, Verhalten für x→±∞x \to \pm\infty, Nullstellen mit Vielfachheit) greifen die ganzrationalen Funktionen der Mittelstufe auf. Die Simulation eignet sich zur Erarbeitung, zur Übung und zum Wiederholen vor Prüfungen.
  • Erst rechnen, dann aufdecken: Mit „Ergebnisse zeigen“ aus rechnen die Lernenden jeden Schritt auf Papier, gehen mit „Nächster Schritt“ weiter und prüfen mit „Ergebnisse aufdecken“.
  • Graphisches Ableiten: „Graphen von f′ und f″“ ausschalten, f′f' skizzieren lassen und dann einblenden – die Hilfslinien zeigen, ob die Nullstellen an der richtigen Stelle sitzen.
  • Parameter erkunden: Wann hat x3+cxx^3 + cx Extrempunkte? (Nur für c<0c < 0.) Das bereitet Funktionenscharen vor.
  • Häufige Stolpersteine:
    • Die notwendige Bedingung f′(x0)=0f'(x_0) = 0 wird schon als Nachweis eines Extremums gesehen.
    • Bei f′′(x0)=0f''(x_0) = 0 wird vorschnell „kein Extremum“ oder „Wendepunkt“ geschlossen.
    • Bei Hoch- und Tiefpunkten fehlt die yy-Koordinate.
    • Ein Absolutglied wird bei der Symmetrie übersehen: x3−3x+1x^3 - 3x + 1 ist nicht punktsymmetrisch zum Ursprung.
    • Monotonie wird aus dem Vorzeichen von ff statt von f′f' abgelesen.