MathematikKlasse 10–11

Graphen verschieben, strecken und spiegeln

Verschieben, strecken, spiegeln: Jede Bewegung des Graphen hinterlässt eine Spur im Funktionsterm.

Simulation wird geladen …

Worum geht es?

Aus dem Graphen einer Grundfunktion ff (zum Beispiel x2x^2, x\sqrt{x}, 1x\frac{1}{x}, sin⁡x\sin x oder 2x2^x) entsteht durch Verschieben, Strecken und Spiegeln der Graph von

g(x)=a⋅f(b (x−c))+d.g(x) = a \cdot f\big(b\,(x - c)\big) + d .

Man kann sich die Entstehung als Folge von vier Schritten vorstellen – genau so spielt die Zeitleiste sie ab:

Schritt Term Wirkung auf den Graphen
① bb f(bx)f(bx) Streckung in xx-Richtung mit dem Faktor 1b\frac{1}{b} (für ∣b∣>1\lvert b\rvert > 1 Stauchung); b<0b < 0: zusätzlich Spiegelung an der yy-Achse
② cc f(b(x−c))f\big(b(x - c)\big) Verschiebung um cc in xx-Richtung (c>0c > 0: nach rechts)
③ aa a⋅f(b(x−c))a \cdot f\big(b(x - c)\big) Streckung in yy-Richtung mit dem Faktor aa; a<0a < 0: zusätzlich Spiegelung an der xx-Achse
④ dd …+d\ldots + d Verschiebung um dd in yy-Richtung (d>0d > 0: nach oben)

Ein Punkt (x∣y)(x \mid y) des Graphen von ff wird dabei zu

(xb+c  |  a⋅y+d).\left(\frac{x}{b} + c \;\middle|\; a \cdot y + d\right).

Beispiel: Bei g(x)=2 (x−1)2−2g(x) = 2\,(x - 1)^2 - 2 ist a=2a = 2, b=1b = 1, c=1c = 1, d=−2d = -2. Der Scheitel (0∣0)(0 \mid 0) der Normalparabel wandert nach S(1∣−2)S(1 \mid -2), der Punkt (2∣4)(2 \mid 4) nach (2+1∣2⋅4−2)=(3∣6)(2 + 1 \mid 2 \cdot 4 - 2) = (3 \mid 6). Probe: g(3)=2⋅4−2=6g(3) = 2 \cdot 4 - 2 = 6. Die Nullstellen sind 00 und 22, und g(0)=0g(0) = 0.

Warum zuerst bb, dann cc? Steht im Inneren f(bx−c)f(bx - c), so wird die schon verschobene Kurve gestreckt – und die Verschiebung schrumpft mit. Man muss bb ausklammern: f(2x−1)=f(2(x−0,5))f(2x - 1) = f\big(2(x - 0{,}5)\big). Der Scheitel von (2x−1)2(2x - 1)^2 liegt bei x=0,5x = 0{,}5, der von (2(x−1))2\big(2(x - 1)\big)^2 bei x=1x = 1.

Gut zu wissen: Bei manchen Grundfunktionen lässt sich bb durch einen Faktor vor ff ersetzen, etwa (2x)2=4x2(2x)^2 = 4x^2 oder 12x=0,5x\frac{1}{2x} = \frac{0{,}5}{x}. Beim Sinus geht das nicht: sin⁡(2x)\sin(2x) hat die halbe Periode, 2sin⁡x2 \sin x die doppelte Amplitude.

Ausprobieren

  1. Startbild: Drücke „Schritt für Schritt abspielen“. Beobachte, wie der Graph nacheinander gestreckt, verschoben, gestreckt und verschoben wird. Halte an, gehe mit „Schritt zurück“ und „Schritt vor“ oder ziehe den Knopf der Zeitleiste.
  2. Ziehe den runden Ankerpunkt: Er ist das Bild des Ursprungs, also (c∣d)(c \mid d). Ziehe den rautenförmigen Formpunkt: Er ändert aa und bb. Was passiert, wenn du ihn unter den Ankerpunkt oder links an ihm vorbei ziehst?
  3. Wurzelfunktion mit b = −1: Spiele die Schrittfolge ab. Wie „klappt“ der Graph an der yy-Achse um? Warum ist die Definitionsmenge jetzt x≤2x \le 2?
  4. Sinusfunktion: Lies Amplitude, Periode und Mittellinie ab. Verändere bb und beobachte die Periode 2π∣b∣\frac{2\pi}{\lvert b\rvert}.
  5. Hyperbel und Exponentialfunktion: Wie wandern die Asymptoten mit?
  6. Stolperstein Reihenfolge: Die Animation verschiebt zuerst und streckt dann. Vergleiche das Ergebnis hh mit dem richtigen gg (gestrichelt).
  7. Stelle a=0a = 0 ein. Was bleibt vom Graphen übrig?

Aufgaben

Aufgabe 1: Parameter ablesen

Der Graph entsteht aus der Betragsfunktion f(x)=∣x∣f(x) = \lvert x\rvert. Bestimme aa, cc und dd (hier b=1b = 1) und gib den Term an. Aufgabe laden

Lösung anzeigen

Der Knickpunkt liegt bei (−2∣3)(-2 \mid 3), also c=−2c = -2 und d=3d = 3. Der Graph ist nach unten geöffnet und flacher als ∣x∣\lvert x\rvert: Geht man 2 nach rechts, sinkt er um 1, also a=−0,5a = -0{,}5. Damit g(x)=−0,5⋅∣x+2∣+3g(x) = -0{,}5 \cdot \lvert x + 2\rvert + 3. Lösung zeigen

Aufgabe 2: Ein Punkt wandert

Auf welchen Punkt wird der Punkt (2∣4)(2 \mid 4) der Normalparabel bei g(x)=0,5⋅(x+1)2+3g(x) = 0{,}5 \cdot (x + 1)^2 + 3 abgebildet?

Lösung anzeigen

a=0,5a = 0{,}5, b=1b = 1, c=−1c = -1, d=3d = 3. Aus (2∣4)(2 \mid 4) wird (2+(−1)∣0,5⋅4+3)=(1∣5)(2 + (-1) \mid 0{,}5 \cdot 4 + 3) = (1 \mid 5). Probe: g(1)=0,5⋅4+3=5g(1) = 0{,}5 \cdot 4 + 3 = 5. Zeigen

Aufgabe 3: Achtung, Klammer!

Um wie viel ist der Graph von g(x)=(2x−4)2g(x) = (2x - 4)^2 gegenüber dem von f(x)=(2x)2f(x) = (2x)^2 verschoben?

Lösung anzeigen

b=2b = 2 ausklammern: g(x)=(2(x−2))2g(x) = \big(2(x - 2)\big)^2. Der Graph ist um c=2c = 2 nach rechts verschoben – nicht um 44. Zeigen Zum Vergleich die falsche Reihenfolge „erst um 4 verschieben, dann stauchen“: Vergleich

Aufgabe 4: Eine Sinuskurve bauen

Gesucht ist g(x)=a⋅sin⁡(bx)+dg(x) = a \cdot \sin(bx) + d mit Amplitude 22, Periode π\pi und Mittellinie y=1y = 1. Gib auch die Wertemenge an. Aufgabe laden

Lösung anzeigen

Amplitude a=2a = 2, Periode 2πb=π\frac{2\pi}{b} = \pi, also b=2b = 2, Mittellinie d=1d = 1: g(x)=2sin⁡(2x)+1g(x) = 2\sin(2x) + 1. Die Werte schwanken um 11 jeweils um 22: Wg=[−1; 3]W_g = [-1;\, 3]. Lösung zeigen

Aufgabe 5: Gespiegelte Wurzel

Schreibe g(x)=2−xg(x) = \sqrt{2 - x} in der Form b(x−c)\sqrt{b(x - c)}. Gib die Definitionsmenge an und berechne g(−2)g(-2).

Lösung anzeigen

2−x=−(x−2)2 - x = -(x - 2), also b=−1b = -1, c=2c = 2: Die Wurzel wird an der yy-Achse gespiegelt und um 22 nach rechts verschoben. Unter der Wurzel darf nichts Negatives stehen: 2−x≥02 - x \ge 0, also Dg= ]−∞; 2]D_g = \,]-\infty;\, 2]. g(−2)=4=2g(-2) = \sqrt{4} = 2. Zeigen

Aufgabe 6: Asymptoten und Nullstellen

a) Gib für g(x)=2x+1+1g(x) = \frac{2}{x + 1} + 1 die Asymptoten und die Nullstelle an. b) Bestimme für h(x)=−2x−1+3h(x) = -2^{x - 1} + 3 die Asymptote und die Nullstelle.

Lösung anzeigen

a) Die Asymptoten x=0x = 0 und y=0y = 0 von 1x\frac{1}{x} wandern mit c=−1c = -1 und d=1d = 1: x=−1x = -1 und y=1y = 1. Nullstelle: 2x+1=−1⇒x+1=−2⇒x=−3\frac{2}{x + 1} = -1 \Rightarrow x + 1 = -2 \Rightarrow x = -3. Zeigen

b) Waagrechte Asymptote y=3y = 3 (wegen d=3d = 3). Nullstelle: 2x−1=3⇒x−1=log⁡23⇒x=1+log⁡23≈2,5852^{x - 1} = 3 \Rightarrow x - 1 = \log_2 3 \Rightarrow x = 1 + \log_2 3 \approx 2{,}585. Zeigen

Ideen für den Unterricht

  • Einsatz: Oberstufe, besondere Eigenschaften von Funktionen: Verschieben, Strecken und Spiegeln von Graphen, angewandt auf bekannte Funktionstypen. Welche Grundfunktionen dort im Einzelnen vorkommen, bitte am Lehrplan prüfen.
  • Schrittfolge an der Tafel: Die Zeitleiste lässt sich nach jedem Schritt anhalten. So kann die Klasse vorher vermuten, wohin der Graph als Nächstes wandert, und die Vermutung dann prüfen.
  • Term erraten: Mit „Term und Wirkung zeigen“ aus erscheint nur der Graph, die Regler für aa, bb, cc und dd sind dann ausgeblendet; „Neue Aufgabe“ würfelt neue, eindeutig ablesbare Werte, „Term aufdecken“ löst auf und spielt die Schrittfolge ab. Gut geeignet für Partnerarbeit.
  • Gleiche Logik, verschiedene Funktionen: Dieselben vier Schritte wirken bei Parabel, Wurzel, Hyperbel, Sinus und Exponentialfunktion gleich. Vielleicht lohnt es sich, eine Transformation einzustellen und nur die Grundfunktion zu wechseln.
  • Modell: Parameter in Zehnteln, b=0b = 0 ist nicht erlaubt. Die gezeigte Schrittfolge ist eine mögliche Reihenfolge; andere Reihenfolgen führen zum Ziel, wenn man die Parameter entsprechend anpasst. Ist am Gerät „Bewegung reduzieren“ eingestellt, springt „Schritt für Schritt abspielen“ auf den ersten Schritt; weiter geht es mit „Schritt vor“.
  • Häufige Stolpersteine:
    • „f(x−2)f(x - 2) ist nach links verschoben.“ – Das Minus in der Klammer bedeutet eine Verschiebung nach rechts.
    • „f(2x)f(2x) ist in xx-Richtung gestreckt.“ – Es ist gestaucht, mit dem Faktor 12\frac{1}{2}.
    • Bei f(2x−4)f(2x - 4) wird bb nicht ausgeklammert und die Verschiebung als 44 statt 22 abgelesen.
    • Die Spiegelungen werden verwechselt: a<0a < 0 spiegelt an der xx-Achse, b<0b < 0 an der yy-Achse.
    • Bei der Parabel wird erwartet, dass bb und aa eindeutig ablesbar sind – (2x)2=4x2(2x)^2 = 4x^2 zeigt, dass das nicht so ist.