MathematikKlasse 8–13

Vierfeldertafel und Mengendiagramm

Vierfeldertafel, Mengendiagramm und Baumdiagramm zeigen dieselben Daten und hängen zusammen. Wer eins verändert, sieht die anderen mitlaufen.

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Worum geht es?

In der Klasse 9a wurde gefragt: Hast du ein Haustier (AA)? Hast du Geschwister (BB)? Jede Person fällt in genau eines von vier Feldern:

BB B‾\overline{B} Summe
AA 1010 44 1414
A‾\overline{A} 99 77 1616
Summe 1919 1111 3030

Das ist eine Vierfeldertafel. Die inneren Felder sind die Schnittmengen A∩BA \cap B, A∩B‾A \cap \overline{B}, A‾∩B\overline{A} \cap B, A‾∩B‾\overline{A} \cap \overline{B}, am Rand stehen die Randsummen ∣A∣|A|, ∣A‾∣|\overline{A}|, ∣B∣|B|, ∣B‾∣|\overline{B}| und die Gesamtzahl. Teilt man alles durch 3030, erhält man Wahrscheinlichkeiten (relative Häufigkeiten).

Dieselben Daten zeigt ein Mengendiagramm: Die Kreise AA und BB liegen in der Grundmenge Ω\Omega; hier sind die Flächen sogar proportional zu den Anzahlen. Und ein Baumdiagramm: Erst wird nach AA unterschieden, dann nach BB. An den Ästen der zweiten Stufe stehen Anteile wie 1014\frac{10}{14} – „von den 1414 mit Haustier haben 1010 Geschwister“.

Ereignisse:

  • Schnitt A∩BA \cap B („AA und BB“): ein Feld.
  • Vereinigung A∪BA \cup B („AA oder BB“, auch beides): drei Felder.
  • Gegenereignis A‾\overline{A}: alles außer AA, also P(A‾)=1−P(A)P(\overline{A}) = 1 - P(A).

Bei der Vereinigung darf das Feld A∩BA \cap B nicht doppelt gezählt werden – das ist der Additionssatz:

P(A∪B)=P(A)+P(B)−P(A∩B)=1430+1930−1030=2330.P(A \cup B) = P(A) + P(B) - P(A \cap B) = \frac{14}{30} + \frac{19}{30} - \frac{10}{30} = \frac{23}{30}.

Der umgekehrte Baum beginnt mit BB. Seine Blätter sind dieselben vier Felder – nur in anderer Reihenfolge, mit anderen Anteilen an den Ästen: 1930⋅1019=1030\frac{19}{30} \cdot \frac{10}{19} = \frac{10}{30}.

Tafel ergänzen: Jede Zeile und jede Spalte ist eine Summe. Kennt man in einer Zeile oder Spalte zwei von drei Werten, folgt der dritte durch Addieren oder Subtrahieren. In der Ansicht „Tafel ergänzen“ sind nur vier Werte bekannt – tippe ein „?“ an: Lässt es sich schon erschließen, erscheint der Wert mit Rechnung, sonst ein Hinweis.

Baum umkehren mit Wahrscheinlichkeiten: Oft sind P(A)P(A) und die bedingten Wahrscheinlichkeiten PA(B)P_A(B) und PA‾(B)P_{\overline{A}}(B) gegeben. Mit der Pfadregel entsteht die Tafel, mit der Summenregel P(B)P(B) und daraus der umgekehrte Baum:

P(B)=P(A)⋅PA(B)+P(A‾)⋅PA‾(B),PB(A)=P(A∩B)P(B).P(B) = P(A) \cdot P_A(B) + P(\overline{A}) \cdot P_{\overline{A}}(B), \qquad P_B(A) = \frac{P(A \cap B)}{P(B)}.

Mit P(A)=0,4P(A) = 0{,}4, PA(B)=0,7P_A(B) = 0{,}7 und PA‾(B)=0,2P_{\overline{A}}(B) = 0{,}2 ergibt sich P(B)=0,4⋅0,7+0,6⋅0,2=0,40P(B) = 0{,}4 \cdot 0{,}7 + 0{,}6 \cdot 0{,}2 = 0{,}40 und PB(A)=0,280,40=0,70P_B(A) = \frac{0{,}28}{0{,}40} = 0{,}70. Mit „Anzahlen“ zeigt die Tafel natürliche Häufigkeiten, z. B. von 100100 Personen: 2828, 1212, 1212, 4848.

Einheitsquadrat: Das Quadrat hat die Fläche 11. Es wird senkrecht im Verhältnis P(A):P(A‾)P(A) : P(\overline{A}) geteilt, dann jede Spalte waagerecht nach PA(B)P_A(B) bzw. PA‾(B)P_{\overline{A}}(B). Jede Teilfläche ist eine Pfadwahrscheinlichkeit. Liegen die beiden waagerechten Linien auf einer Höhe, ist PA(B)=PA‾(B)=P(B)P_A(B) = P_{\overline{A}}(B) = P(B): Dann sind AA und BB (stochastisch) unabhängig, und es gilt P(A∩B)=P(A)⋅P(B)P(A \cap B) = P(A) \cdot P(B). Ausgeloste Personen fallen als Punkte zufällig ins Quadrat – ihre relativen Häufigkeiten liegen in der Nähe der Flächen.

Ausprobieren

  1. Fahre mit der Maus über ein Feld der Tafel (oder tippe es an): Dieselbe Teilmenge leuchtet im Mengendiagramm und im Baum auf. Beispiel laden
  2. Wähle nacheinander die Ereignisse A∩BA \cap B, A∪BA \cup B und A‾\overline{A}. Welche Felder gehören jeweils dazu? A oder B
  3. Ändere die Anzahlen mit den Reglern. Wie verändern sich die Kreise?
  4. Drehe den Baum um („Baum beginnt mit B“). Warum stehen an den Ästen andere Brüche, an den Blättern aber dieselben Zahlen? Umgekehrter Baum
  5. Stelle auf Prozent um und betrachte die Umfrage unter 200 Jugendlichen. 200 Jugendliche
  6. Ergänze die Tafel Schritt für Schritt. Welches „?“ lässt sich zuerst erschließen, welches erst ganz am Schluss? Tafel ergänzen
  7. Vergleiche die beiden Bäume: Welche Zahlen stimmen überein, welche nicht? Tippe ein Blatt an. Baum umkehren
  8. Ziehe im Einheitsquadrat die beiden waagerechten Linien auf dieselbe Höhe. Was zeigt die Rechnung jetzt? Lose dann 100100 Personen aus. Einheitsquadrat

Aufgaben

Aufgabe 1: Tafel ergänzen

Von 3030 Personen haben 1414 ein Haustier und 1919 Geschwister; 1010 haben beides. Ergänze die Vierfeldertafel. Aufgabe laden

Lösung anzeigen

A∩B‾A \cap \overline{B}: 14−10=414 - 10 = 4, A‾∩B\overline{A} \cap B: 19−10=919 - 10 = 9, A‾\overline{A}: 30−14=1630 - 14 = 16, A‾∩B‾\overline{A} \cap \overline{B}: 16−9=716 - 9 = 7. In der Simulation zeigen

Aufgabe 2: Additionssatz

Berechne die Wahrscheinlichkeit, dass eine zufällig gewählte Person ein Haustier oder Geschwister hat – einmal mit dem Additionssatz, einmal über das Gegenereignis. Aufgabe laden

Lösung anzeigen

Additionssatz: 1430+1930−1030=2330≈76,7 %\frac{14}{30} + \frac{19}{30} - \frac{10}{30} = \frac{23}{30} \approx 76{,}7\,\%. Gegenereignis „weder noch“: 1−730=23301 - \frac{7}{30} = \frac{23}{30} ✓. In der Simulation zeigen

Aufgabe 3: Genau eins

In der Umfrage unter 200200 Jugendlichen sind 8080 im Sportverein, 9898 spielen ein Instrument, 4646 beides. Wie viel Prozent machen genau eines von beidem? Aufgabe laden

Lösung anzeigen

Nur Sportverein: 80−46=3480 - 46 = 34, nur Instrument: 98−46=5298 - 46 = 52. Zusammen 8686 von 200200, also 43 %43\,\%. In der Simulation zeigen

Aufgabe 4: Umgekehrter Baum

Zeichne den Baum, der mit BB (Geschwister) beginnt, und trage alle Astwahrscheinlichkeiten ein. Prüfe an einem Pfad, dass dieselbe Blattwahrscheinlichkeit herauskommt wie im ersten Baum. Aufgabe laden

Lösung anzeigen

Erste Stufe: P(B)=1930P(B) = \frac{19}{30}, P(B‾)=1130P(\overline{B}) = \frac{11}{30}. Zweite Stufe: 1019\frac{10}{19} und 919\frac{9}{19} bzw. 411\frac{4}{11} und 711\frac{7}{11}. Pfad B∩AB \cap A: 1930⋅1019=1030\frac{19}{30} \cdot \frac{10}{19} = \frac{10}{30} – wie 1430⋅1014\frac{14}{30} \cdot \frac{10}{14} im ersten Baum. In der Simulation zeigen

Aufgabe 5: Baum umkehren

P(A)=0,4P(A) = 0{,}4, PA(B)=0,7P_A(B) = 0{,}7, PA‾(B)=0,2P_{\overline{A}}(B) = 0{,}2. Berechne P(B)P(B) und PB(A)P_B(A). Wie viele von 100100 Personen gehören zu A∩BA \cap B? Aufgabe laden

Lösung anzeigen

P(B)=0,4⋅0,7+0,6⋅0,2=0,28+0,12=0,40P(B) = 0{,}4 \cdot 0{,}7 + 0{,}6 \cdot 0{,}2 = 0{,}28 + 0{,}12 = 0{,}40 und PB(A)=0,280,40=0,70P_B(A) = \frac{0{,}28}{0{,}40} = 0{,}70. Von 100100 Personen gehören 2828 zu A∩BA \cap B. In der Simulation zeigen

Aufgabe 6: Unabhängig?

Bei 5050 Personen gilt: ∣A∩B∣=12|A \cap B| = 12, ∣A∣=30|A| = 30, ∣B∣=20|B| = 20. Zeige, dass P(A∩B)=P(A)⋅P(B)P(A \cap B) = P(A) \cdot P(B) gilt. Was bedeutet das? Aufgabe laden

Lösung anzeigen

1250=0,24\frac{12}{50} = 0{,}24 und 3050⋅2050=0,6⋅0,4=0,24\frac{30}{50} \cdot \frac{20}{50} = 0{,}6 \cdot 0{,}4 = 0{,}24 ✓. Der Anteil von BB ist in AA genauso groß wie in A‾\overline{A} (1230=820=40 %\frac{12}{30} = \frac{8}{20} = 40\,\%): AA und BB beeinflussen sich (statistisch) nicht – sie sind unabhängig. Im Einheitsquadrat liegen die Linien dann auf einer Höhe. Im Einheitsquadrat zeigen

Aufgabe 7: Entdecken im Einheitsquadrat

Stelle P(A)=0,4P(A) = 0{,}4 ein und ziehe PA(B)P_A(B) und PA‾(B)P_{\overline{A}}(B) beide auf 0,60{,}6. Berechne P(A∩B)P(A \cap B) und P(A)⋅P(B)P(A) \cdot P(B). Was passiert, wenn du nur eine Linie verschiebst? Aufgabe laden

Lösung anzeigen

P(A∩B)=0,4⋅0,6=0,24P(A \cap B) = 0{,}4 \cdot 0{,}6 = 0{,}24 und P(B)=0,6P(B) = 0{,}6, also P(A)⋅P(B)=0,24P(A) \cdot P(B) = 0{,}24 – gleich, AA und BB sind unabhängig. Verschiebst du nur eine Linie, sind beide Werte nicht mehr gleich. Beispiel PA‾(B)=0,2P_{\overline{A}}(B) = 0{,}2: P(A∩B)=0,24P(A \cap B) = 0{,}24 bleibt, aber P(B)=0,24+0,6⋅0,2=0,36P(B) = 0{,}24 + 0{,}6 \cdot 0{,}2 = 0{,}36 und P(A)⋅P(B)=0,144P(A) \cdot P(B) = 0{,}144. Die Ereignisse sind dann abhängig. In der Simulation zeigen

Ideen für den Unterricht

  • Einsatz: Mittelstufe (Vierfeldertafel, Mengendiagramm, Additionssatz) und Oberstufe (bedingte Wahrscheinlichkeit, umgekehrter Baum).
  • Eigene Umfrage: Zwei Ja/Nein-Fragen in der Klasse ergeben schnell eine eigene Vierfeldertafel, die sich mit den Reglern eintragen lässt.
  • Darstellungswechsel: Das synchrone Hervorheben kann helfen, jede Zahl einer Darstellung in den anderen wiederzufinden.
  • Häufige Stolpersteine:
    • Bei A∪BA \cup B wird das Feld A∩BA \cap B doppelt gezählt.
    • „AA oder BB“ wird als „genau eines von beiden“ verstanden.
    • Im Baum werden an der zweiten Stufe Anteile an der Gesamtzahl statt an der Teilgruppe eingetragen (1030\frac{10}{30} statt 1014\frac{10}{14}).
    • Beim umgekehrten Baum werden die Äste der ersten Stufe einfach übernommen.
    • PA(B)P_A(B) und PB(A)P_B(A) werden verwechselt (in Aufgabe 5 zufällig beide 0,70{,}7 – das ist nicht immer so).
  • Einheitsquadrat: Es eignet sich gut, um Unabhängigkeit „zu sehen“, bevor die Formel P(A∩B)=P(A)⋅P(B)P(A \cap B) = P(A) \cdot P(B) eingeführt wird.