MathematikKlasse 11–13

Binomialverteilung

Das Histogramm der Binomialverteilung: Wähle einen Bereich und lies die Wahrscheinlichkeit direkt ab.

Simulation wird geladen …

Worum geht es?

Ein Zufallsexperiment mit nur zwei Ausgängen – Treffer oder Niete – heißt Bernoulli-Experiment. Wird es nn-mal unabhängig wiederholt und ist die Trefferwahrscheinlichkeit pp jedes Mal gleich, spricht man von einer Bernoulli-Kette der Länge nn. Die Zufallsgröße XX = „Anzahl der Treffer“ ist dann binomialverteilt, kurz X∼B(n; p)X \sim B(n;\,p):

P(X=k)=(nk)⋅pk⋅(1−p)n−k,k=0,1,…,nP(X = k) = \binom{n}{k} \cdot p^k \cdot (1 - p)^{n - k}, \qquad k = 0, 1, \dots, n

Dabei zählt der Binomialkoeffizient (nk)\binom{n}{k}, auf wie viele Arten sich die kk Treffer auf die nn Plätze der Kette verteilen lassen, und pk⋅(1−p)n−kp^k \cdot (1-p)^{n-k} ist die Wahrscheinlichkeit eines einzelnen solchen Pfades. Beispiel B(10; 0,5)B(10;\,0{,}5): P(X=5)=252⋅0,510≈0,2461P(X = 5) = 252 \cdot 0{,}5^{10} \approx 0{,}2461.

Meist sind Bereiche gefragt. Mit der kumulierten Verteilungsfunktion F(k)=P(X≤k)F(k) = P(X \le k) gilt:

  • „höchstens kk“: P(X≤k)=F(k)P(X \le k) = F(k)
  • „mindestens kk“: P(X≥k)=1−P(X≤k−1)=1−F(k−1)P(X \ge k) = 1 - P(X \le k - 1) = 1 - F(k - 1)
  • „zwischen aa und bb“: P(a≤X≤b)=F(b)−F(a−1)P(a \le X \le b) = F(b) - F(a - 1)

Der Erwartungswert μ=n⋅p\mu = n \cdot p ist der Schwerpunkt des Histogramms, die Standardabweichung σ=n⋅p⋅(1−p)\sigma = \sqrt{n \cdot p \cdot (1-p)} misst die Breite. In der σ\sigma-Umgebung [μ−σ; μ+σ][\mu - \sigma;\, \mu + \sigma] liegt oft rund 68 %68\,\% der Wahrscheinlichkeit, in der 2σ2\sigma-Umgebung meist rund 95 %95\,\% (für nicht zu kleine σ\sigma; die Werte schwanken, weil nur ganze kk zählen – in der Simulation werden sie genau angezeigt).

Ausprobieren

  1. Ziehe am Histogramm die Grenze kk hin und her. Die markierten Balken ergeben zusammen die gesuchte Wahrscheinlichkeit, die Karte rechnet mit. Beispiel laden
  2. Verändere pp langsam von 0,10{,}1 bis 0,90{,}9. Wohin wandert μ\mu? Wann ist das Histogramm symmetrisch? B(20; 0,3)
  3. Vergrößere nn bei festem p=0,5p = 0{,}5. Das Histogramm wird breiter (σ\sigma wächst mit n\sqrt{n}), die einzelnen Balken werden niedriger.
  4. Schalte auf „kumuliert“ um. Jeder Balken des Histogramms wird zu einer Stufe der Treppenfunktion F(k)F(k). Wie hoch ist die Stufe bei kk? Treppenfunktion
  5. Starte einzelne Bernoulli-Ketten und dann das „Experiment 1000-mal“. Wie gut passt der orange Umriss der relativen Häufigkeiten zu den Balken?
  6. Stelle die Randfälle p=0p = 0 und p=1p = 1 ein. Wo liegt jetzt die ganze Wahrscheinlichkeit? p = 1

Aufgaben

Aufgabe 1: Raten im Test

Ein Test hat 2020 Fragen mit je vier Antworten, genau eine ist richtig. Jemand kreuzt rein zufällig an. Berechne die Wahrscheinlichkeit für genau 55 richtige Antworten. Aufgabe laden

Lösung anzeigen

X∼B(20; 0,25)X \sim B(20;\,0{,}25): P(X=5)=(205)⋅0,255⋅0,7515=15504⋅0,0009766⋅0,01336≈0,2023P(X = 5) = \binom{20}{5} \cdot 0{,}25^5 \cdot 0{,}75^{15} = 15504 \cdot 0{,}0009766 \cdot 0{,}01336 \approx 0{,}2023. In der Simulation zeigen

Aufgabe 2: Bestehen durch Raten?

Zum Bestehen braucht man im Test aus Aufgabe 1 mindestens 1010 richtige Antworten. Wie wahrscheinlich ist das beim reinen Raten? Aufgabe laden

Lösung anzeigen

P(X≥10)=1−F(9)≈1−0,9861=0,0139P(X \ge 10) = 1 - F(9) \approx 1 - 0{,}9861 = 0{,}0139, also nur etwa 1,4 %1{,}4\,\%. In der Simulation zeigen

Aufgabe 3: Elfmeter

Eine Spielerin verwandelt einen Elfmeter mit der Wahrscheinlichkeit 0,80{,}8. Sie schießt 1010-mal. Mit welcher Wahrscheinlichkeit trifft sie mindestens 88-mal? Aufgabe laden

Lösung anzeigen

P(X≥8)=P(X=8)+P(X=9)+P(X=10)≈0,3020+0,2684+0,1074=0,6778P(X \ge 8) = P(X = 8) + P(X = 9) + P(X = 10) \approx 0{,}3020 + 0{,}2684 + 0{,}1074 = 0{,}6778. Ebenso: 1−F(7)≈1−0,3222=0,67781 - F(7) \approx 1 - 0{,}3222 = 0{,}6778. In der Simulation zeigen

Aufgabe 4: 100 Münzwürfe

Eine Münze wird 100100-mal geworfen. Berechne μ\mu, σ\sigma und P(40≤X≤60)P(40 \le X \le 60) für die Anzahl XX der Würfe mit „Zahl“. Welche Umgebung von μ\mu ist das? Aufgabe laden

Lösung anzeigen

μ=100⋅0,5=50\mu = 100 \cdot 0{,}5 = 50, σ=100⋅0,5⋅0,5=5\sigma = \sqrt{100 \cdot 0{,}5 \cdot 0{,}5} = 5. P(40≤X≤60)=F(60)−F(39)≈0,9824−0,0176=0,9648P(40 \le X \le 60) = F(60) - F(39) \approx 0{,}9824 - 0{,}0176 = 0{,}9648. Das ist genau die 2σ2\sigma-Umgebung [50−10; 50+10][50 - 10;\, 50 + 10]. In der Simulation zeigen

Aufgabe 5: Mindestens ein Treffer

Ein Bauteil ist mit der Wahrscheinlichkeit 0,050{,}05 defekt. Wie wahrscheinlich ist unter 5050 Bauteilen mindestens ein defektes? Wie viele defekte erwartet man? Aufgabe laden

Lösung anzeigen

Über das Gegenereignis „kein Treffer“: P(X≥1)=1−P(X=0)=1−0,9550≈1−0,0769=0,9231P(X \ge 1) = 1 - P(X = 0) = 1 - 0{,}95^{50} \approx 1 - 0{,}0769 = 0{,}9231. Erwartungswert μ=50⋅0,05=2,5\mu = 50 \cdot 0{,}05 = 2{,}5. In der Simulation zeigen

Aufgabe 6: Binomialverteilt oder nicht?

Aus einer Klasse mit 1212 Mädchen und 1313 Jungen werden ohne Zurücklegen 55 Personen ausgelost; XX ist die Anzahl der Mädchen. Ist XX binomialverteilt? Begründe.

Lösung anzeigen

Nein. Ohne Zurücklegen ändert sich die Wahrscheinlichkeit für „Mädchen“ von Zug zu Zug (zuerst 1225\frac{12}{25}, danach z. B. 1124\frac{11}{24}), und die Züge sind nicht unabhängig. Eine Bernoulli-Kette verlangt dieselbe Trefferwahrscheinlichkeit bei jedem Versuch.

Ideen für den Unterricht

  • Einsatz: Stochastik der Oberstufe (Binomialverteilung, Erwartungswert, Standardabweichung, σ-Umgebungen). Gut als Ergänzung zum Galtonbrett, das die Entstehung der Verteilung zeigt.
  • Vom Tafelwerk zum Bild: Die Treppenansicht macht sichtbar, was in Tabellen der kumulierten Binomialverteilung steht; Werte daraus lassen sich direkt an den Stufen ablesen.
  • Modellieren: Vor dem Rechnen gemeinsam prüfen, ob die Voraussetzungen erfüllt sind (zwei Ausgänge, unabhängig, gleiches pp) – Aufgabe 6 bietet einen Gegenbeispiel-Einstieg.
  • Häufige Stolpersteine:
    • „Mindestens kk“ wird als 1−F(k)1 - F(k) statt 1−F(k−1)1 - F(k - 1) gerechnet – der Wert kk selbst gehört dazu.
    • Bei P(a≤X≤b)P(a \le X \le b) wird F(b)−F(a)F(b) - F(a) gerechnet; dann fehlt P(X=a)P(X = a).
    • „Höchstens“ und „mindestens“ werden verwechselt; das farbige Markieren der Balken kann hier helfen.
    • σ\sigma wird mit der Varianz n⋅p⋅(1−p)n \cdot p \cdot (1-p) verwechselt.