Worum geht es?
Ein Zufallsexperiment mit nur zwei Ausgängen – Treffer oder Niete – heißt Bernoulli-Experiment. Wird es -mal unabhängig wiederholt und ist die Trefferwahrscheinlichkeit jedes Mal gleich, spricht man von einer Bernoulli-Kette der Länge . Die Zufallsgröße = „Anzahl der Treffer“ ist dann binomialverteilt, kurz :
Dabei zählt der Binomialkoeffizient , auf wie viele Arten sich die Treffer auf die Plätze der Kette verteilen lassen, und ist die Wahrscheinlichkeit eines einzelnen solchen Pfades. Beispiel : .
Meist sind Bereiche gefragt. Mit der kumulierten Verteilungsfunktion gilt:
- „höchstens “:
- „mindestens “:
- „zwischen und “:
Der Erwartungswert ist der Schwerpunkt des Histogramms, die Standardabweichung misst die Breite. In der -Umgebung liegt oft rund der Wahrscheinlichkeit, in der -Umgebung meist rund (für nicht zu kleine ; die Werte schwanken, weil nur ganze zählen – in der Simulation werden sie genau angezeigt).
Ausprobieren
- Ziehe am Histogramm die Grenze hin und her. Die markierten Balken ergeben zusammen die gesuchte Wahrscheinlichkeit, die Karte rechnet mit. Beispiel laden
- Verändere langsam von bis . Wohin wandert ? Wann ist das Histogramm symmetrisch? B(20; 0,3)
- Vergrößere bei festem . Das Histogramm wird breiter ( wächst mit ), die einzelnen Balken werden niedriger.
- Schalte auf „kumuliert“ um. Jeder Balken des Histogramms wird zu einer Stufe der Treppenfunktion . Wie hoch ist die Stufe bei ? Treppenfunktion
- Starte einzelne Bernoulli-Ketten und dann das „Experiment 1000-mal“. Wie gut passt der orange Umriss der relativen Häufigkeiten zu den Balken?
- Stelle die Randfälle und ein. Wo liegt jetzt die ganze Wahrscheinlichkeit? p = 1
Aufgaben
Aufgabe 1: Raten im Test
Ein Test hat Fragen mit je vier Antworten, genau eine ist richtig. Jemand kreuzt rein zufällig an. Berechne die Wahrscheinlichkeit für genau richtige Antworten. Aufgabe laden
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Aufgabe 2: Bestehen durch Raten?
Zum Bestehen braucht man im Test aus Aufgabe 1 mindestens richtige Antworten. Wie wahrscheinlich ist das beim reinen Raten? Aufgabe laden
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, also nur etwa . In der Simulation zeigen
Aufgabe 3: Elfmeter
Eine Spielerin verwandelt einen Elfmeter mit der Wahrscheinlichkeit . Sie schießt -mal. Mit welcher Wahrscheinlichkeit trifft sie mindestens -mal? Aufgabe laden
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. Ebenso: . In der Simulation zeigen
Aufgabe 4: 100 Münzwürfe
Eine Münze wird -mal geworfen. Berechne , und für die Anzahl der Würfe mit „Zahl“. Welche Umgebung von ist das? Aufgabe laden
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, . . Das ist genau die -Umgebung . In der Simulation zeigen
Aufgabe 5: Mindestens ein Treffer
Ein Bauteil ist mit der Wahrscheinlichkeit defekt. Wie wahrscheinlich ist unter Bauteilen mindestens ein defektes? Wie viele defekte erwartet man? Aufgabe laden
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Über das Gegenereignis „kein Treffer“: . Erwartungswert . In der Simulation zeigen
Aufgabe 6: Binomialverteilt oder nicht?
Aus einer Klasse mit Mädchen und Jungen werden ohne Zurücklegen Personen ausgelost; ist die Anzahl der Mädchen. Ist binomialverteilt? Begründe.
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Nein. Ohne Zurücklegen ändert sich die Wahrscheinlichkeit für „Mädchen“ von Zug zu Zug (zuerst , danach z. B. ), und die Züge sind nicht unabhängig. Eine Bernoulli-Kette verlangt dieselbe Trefferwahrscheinlichkeit bei jedem Versuch.
Ideen für den Unterricht
- Einsatz: Stochastik der Oberstufe (Binomialverteilung, Erwartungswert, Standardabweichung, σ-Umgebungen). Gut als Ergänzung zum Galtonbrett, das die Entstehung der Verteilung zeigt.
- Vom Tafelwerk zum Bild: Die Treppenansicht macht sichtbar, was in Tabellen der kumulierten Binomialverteilung steht; Werte daraus lassen sich direkt an den Stufen ablesen.
- Modellieren: Vor dem Rechnen gemeinsam prüfen, ob die Voraussetzungen erfüllt sind (zwei Ausgänge, unabhängig, gleiches ) – Aufgabe 6 bietet einen Gegenbeispiel-Einstieg.
- Häufige Stolpersteine:
- „Mindestens “ wird als statt gerechnet – der Wert selbst gehört dazu.
- Bei wird gerechnet; dann fehlt .
- „Höchstens“ und „mindestens“ werden verwechselt; das farbige Markieren der Balken kann hier helfen.
- wird mit der Varianz verwechselt.