MathematikKlasse 11–13

Integral als Gesamtänderung: von der Geschwindigkeit zum Weg

Aus der Geschwindigkeit eines Autos wird der zurückgelegte Weg: Die Fläche unter der Kurve zeigt die Gesamtänderung.

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Worum geht es?

Oft kennt man nicht eine Größe selbst, sondern wie schnell sie sich ändert: die Geschwindigkeit eines Autos, die Zuflussrate in einen Tank. Wie groß ist dann die Gesamtänderung?

Ist die Rate konstant, rechnet man „Rate mal Zeit“: 20 ms⋅30 s=600 m20\,\tfrac{\text{m}}{\text{s}} \cdot 30\,\text{s} = 600\,\text{m} – das ist die Fläche eines Rechtecks unter dem Graphen. Auch die Einheit passt: ms⋅s=m\tfrac{\text{m}}{\text{s}} \cdot \text{s} = \text{m} bzw. Lmin⋅min=L\tfrac{\text{L}}{\text{min}} \cdot \text{min} = \text{L}. Ändert sich die Rate, zerlegt man die Zeit in nn Streifen der Breite Δt\Delta t und addiert r(ti)⋅Δtr(t_i) \cdot \Delta t. Die Stelle tit_i liegt am linken Rand, am rechten Rand oder in der Mitte des Streifens. Für n→∞n \to \infty wird daraus das Integral:

B(t)=B(0)+∫0tr(u) du.B(t) = B(0) + \int_0^t r(u)\,du.

Die Fläche unter dem Graphen der Änderungsrate ist die Gesamtänderung des Bestands. Flächen unterhalb der Zeitachse (Abfluss, Rückwärtsfahrt) zählen negativ – der Bestand nimmt ab. Wer alle Flächen positiv zählt, berechnet ∫0t∣r(u)∣ du\int_0^t |r(u)|\,du: bei einer Fahrt den insgesamt zurückgelegten Weg (Wegzähler), beim Tank die insgesamt geflossene Wassermenge.

Rate und Bestand hängen zusammen: Die Steigung von BB ist die Rate, B′(t)=r(t)B'(t) = r(t). Wechselt rr das Vorzeichen von ++ nach −-, hat der Bestand ein Maximum, von −- nach ++ ein Minimum.

Ausprobieren

  1. Autofahrt: Drücke „Ablauf abspielen“. Wann wächst die Fläche am schnellsten – und wann ist der Weg-Graph am steilsten?
  2. Rechtecke: Drücke „Rechtecke stapeln“: Aus jedem Rechteck oben wird eine Stufe unten. Drücke dann mehrmals „Streifen verdoppeln“ und beobachte die Karte „Fehler beim Verdoppeln“.
  3. Links, rechts, Mitte: Stelle die Höhe der Rechtecke auf „rechter Rand“ und „Mitte“. Warum ist die Mittelsumme hier exakt?
  4. Wassertank: Ab wann fließt Wasser ab? Wann ist der Tank am vollsten – und was macht die Rate dort?
  5. Vor und zurück: Vergleiche Position und Wegzähler. Wo sieht man im Diagramm den Unterschied?
  6. Eigene Zuflussrate: Ziehe die fünf Punkte. Erzeuge eine Rate, bei der der Tank am Ende genauso voll ist wie am Anfang.
  7. Radfahrt: Warum steigt der Weg immer, obwohl die Geschwindigkeit schwankt?

Aufgaben

Aufgabe 1: Weg nach 25 Sekunden

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Das Auto beschleunigt 10 s10\,\text{s} gleichmäßig auf 20 ms20\,\tfrac{\text{m}}{\text{s}} und fährt dann konstant. Wie weit ist es nach 25 s25\,\text{s} gefahren?

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Dreieck bis 10 s10\,\text{s}: 12⋅10 s⋅20 ms=100 m\frac{1}{2} \cdot 10\,\text{s} \cdot 20\,\tfrac{\text{m}}{\text{s}} = 100\,\text{m}; dann 15 s⋅20 ms=300 m15\,\text{s} \cdot 20\,\tfrac{\text{m}}{\text{s}} = 300\,\text{m}. Zusammen s(25)=400 ms(25) = 400\,\text{m}. In der Simulation zeigen

Aufgabe 2: Drei Rechtecksummen

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Schätze den Weg in den ersten 10 s10\,\text{s} mit 22 Streifen (Δt=5 s\Delta t = 5\,\text{s}): einmal mit der Höhe am linken Rand, am rechten Rand und in der Mitte.

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Es gilt v(t)=2tv(t) = 2t. Links: 5⋅(0+10)=50 m5 \cdot (0 + 10) = 50\,\text{m}, rechts: 5⋅(10+20)=150 m5 \cdot (10 + 20) = 150\,\text{m}, Mitte: 5⋅(5+15)=100 m5 \cdot (5 + 15) = 100\,\text{m}. Exakt sind es 100 m100\,\text{m}: Die Mittelsumme trifft genau, weil die Rate eine Gerade ist (die Dreiecke oberhalb und unterhalb gleichen sich aus). Links und rechts schließen den exakten Wert ein, weil vv wächst. In der Simulation zeigen

Aufgabe 3: Wassertank

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Die Zuflussrate ist r(t)=4−0,2tr(t) = 4 - 0{,}2t (in L/min), zu Beginn sind 30 L30\,\text{L} im Tank. Wie viel Wasser ist nach 3030 Minuten im Tank? Wann ist er am vollsten?

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V(30)=30+∫030(4−0,2u) du=30+[4u−0,1u2]030=30+30=60 LV(30) = 30 + \int_0^{30}(4 - 0{,}2u)\,du = 30 + \left[4u - 0{,}1u^2\right]_0^{30} = 30 + 30 = 60\,\text{L}. Am vollsten, wo rr von ++ nach −- wechselt: r(t)=0  ⟺  t=20r(t) = 0 \iff t = 20, also V(20)=30+40=70 LV(20) = 30 + 40 = 70\,\text{L}. Die Fläche besteht aus +40 L+40\,\text{L} (Zufluss) und −10 L-10\,\text{L} (Abfluss). In der Simulation zeigen

Aufgabe 4: Vor und zurück

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Ein Auto fährt 20 s20\,\text{s} vorwärts (anfahren in 5 s5\,\text{s} auf 4 ms4\,\tfrac{\text{m}}{\text{s}}, 10 s10\,\text{s} konstant, 5 s5\,\text{s} bremsen) und dann 20 s20\,\text{s} rückwärts (genauso, aber mit höchstens 2 ms2\,\tfrac{\text{m}}{\text{s}}). Wo steht es nach 40 s40\,\text{s}, und wie viele Meter zeigt der Wegzähler?

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Vorwärts: Trapez 10+40+10=60 m10 + 40 + 10 = 60\,\text{m}. Rückwärts: 5+20+5=30 m5 + 20 + 5 = 30\,\text{m}, also Fläche −30 m-30\,\text{m}. Gesamtänderung ∫040v dt=60−30=30 m\int_0^{40} v\,dt = 60 - 30 = 30\,\text{m}: Das Auto steht 30 m30\,\text{m} vor dem Start. Der Wegzähler zeigt ∫040∣v∣ dt=60+30=90 m\int_0^{40} |v|\,dt = 60 + 30 = 90\,\text{m}. Am weitesten entfernt ist es bei t=20 st = 20\,\text{s} (60 m60\,\text{m}). In der Simulation zeigen

Aufgabe 5: Fehler halbieren

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Für den Tank bis t=20t = 20 (exakt 40 L40\,\text{L} Zufluss) ergibt die linke Summe mit 44 Streifen 50 L50\,\text{L}. Wie groß ist der Fehler mit 88 und mit 1616 Streifen?

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Fehler 10 L10\,\text{L}, dann 5 L5\,\text{L}, dann 2,5 L2{,}5\,\text{L}. Bei einer geradlinigen Rate halbiert sich der Fehler genau: Jeder Streifen enthält ein Dreieck zu viel. Halbiert man Δt\Delta t, haben diese Dreiecke halbe Breite und halbe Höhe, also ein Viertel der Fläche – es gibt aber doppelt so viele. In der Simulation zeigen

Aufgabe 6: Maximum und Minimum

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Die Zuflussrate verläuft stückweise linear (als Streckenzug) durch (0∣2)(0 \mid 2), (10∣4)(10 \mid 4), (20∣0)(20 \mid 0), (30∣−3)(30 \mid -3) und (40∣1)(40 \mid 1) (Zeit in min, Rate in L/min); am Anfang sind 30 L30\,\text{L} im Tank. Wann ist der Tank am vollsten, wann zwischendurch am leersten? Wie viel ist am Ende drin?

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Trapez- und Dreiecksflächen: 00–1010: 30 L30\,\text{L}, 1010–2020: 20 L20\,\text{L}, 2020–3030: −15 L-15\,\text{L}. Zwischen 3030 und 4040 wechselt rr bei t=37,5t = 37{,}5 von −- nach ++: −11,25 L-11{,}25\,\text{L} und +1,25 L+1{,}25\,\text{L}. Maximum bei t=20t = 20: V=80 LV = 80\,\text{L}; Minimum bei t=37,5t = 37{,}5: V=53,75 LV = 53{,}75\,\text{L}; am Ende V(40)=55 LV(40) = 55\,\text{L}. In der Simulation zeigen

Ideen für den Unterricht

  • Einsatz: Oberstufe, Integralrechnung: Rekonstruktion eines Bestands aus der Änderungsrate, Flächeninhalt und bestimmtes Integral. Geeignet als Einstieg (Fläche = Gesamtänderung mit der laufenden Zeit), zum Üben (verdeckte Werte) und zur Vertiefung (Fehlerordnung der Rechtecksummen).
  • Vom Rechteck zum Integral: Mit „Rechtecke stapeln“ und „Streifen verdoppeln“ lässt sich der Grenzübergang n→∞n \to \infty vorführen; die Fehler-Karte macht ihn messbar.
  • Einheiten als Kontrolle: „Rate mal Zeit“ ergibt immer die Einheit des Bestands – eine schöne Probe für eigene Rechnungen.
  • Physik-Bezug: s(t)s(t) aus v(t)v(t) wie im tt-vv-Diagramm der Mechanik; „vor und zurück“ trennt Ortsänderung und zurückgelegten Weg.
  • Partnerarbeit: Eine Person zieht bei der eigenen Rate fünf Punkte und nennt V(0)V(0), die andere skizziert den Bestand – dann aufdecken.
  • Häufige Stolpersteine:
    • Der Funktionswert der Rate wird als Bestand gelesen („20 m/s, also 20 m“).
    • Negative Raten werden als positive Flächen gezählt – oder der zurückgelegte Weg mit der Gesamtänderung verwechselt.
    • Das Maximum des Bestands wird beim Maximum der Rate gesucht statt bei ihrem Vorzeichenwechsel.
    • Der Anfangsbestand B(0)B(0) wird vergessen.