Worum geht es?
Die Quadratwurzel (für ) ist die nichtnegative Zahl, deren Quadrat ergibt: und . Die Zahl unter der Wurzel heißt Radikand. Geometrisch ist die Seitenlänge eines Quadrats mit dem Flächeninhalt .
Legt man Einheitsquadrate auf Kästchenpapier zu immer größeren Quadraten zusammen (), so gehen nur bei Quadratzahlen alle Kästchen genau auf: , . Sonst bleibt ein Rest, und liegt zwischen zwei natürlichen Zahlen:
Steckt im Radikanden ein Quadratfaktor, kann man teilweise die Wurzel ziehen: .
Heron-Verfahren: Man startet mit einem Rechteck mit dem Flächeninhalt , also mit den Seiten und . Als neue Seite nimmt man den Mittelwert der beiden Seiten; die andere Seite ergibt sich wieder aus geteilt durch die neue Seite:
Die Fläche bleibt immer , das Rechteck wird immer quadratischer. Warum? Schneidet man vom Rechteck einen Streifen der Breite ab und legt ihn an die kurze Seite, entsteht fast ein Quadrat mit der Seite – es fehlt nur eine kleine Ecke. Darum liegt ab dem ersten Schritt immer etwas über und etwas darunter. Das geht sehr schnell: Die Zahl der richtigen Stellen verdoppelt sich ungefähr. Für mit :
Intervallschachtelung: Man schließt zwischen Zahlen ein, deren Quadrate einschließen, und prüft durch Quadrieren:
Mit jeder Stelle wird das Intervall zehnmal kürzer.
ist irrational: Die Diagonale des Einheitsquadrats hat die Länge , denn das Quadrat über ihr besteht aus vier halben Einheitsquadraten und hat den Flächeninhalt . Diese Länge ist kein Bruch. Wäre vollständig gekürzt, so wäre , also gerade, ; dann , also und auch gerade – Widerspruch zum gekürzten Bruch. Die Dezimaldarstellung von bricht deshalb nie ab und wird nie periodisch. Genauso ist für jede natürliche Zahl , die keine Quadratzahl ist, irrational.
Ausprobieren
- 49 Kästchen: Drücke „Quadrat legen“. Wie wachsen die Quadrate ? Wie viele Kästchen kommen jeweils dazu? Vergleiche mit 50 Kästchen.
- Ziehe die grüne Ecke des Quadrats. Bei welchen Werten von geht alles genau auf?
- √2 mit Heron: Klicke auf „Nächster Schritt“ und beobachte den Streifen und die fehlende Ecke. In der Tabelle sind die richtigen Stellen fett. Wie viele kommen pro Schritt dazu?
- Ein langes Rechteck: Starte mit . Ziehe bei Schritt 0 die blaue Ecke und probiere andere Startlängen. Spielt der Start eine große Rolle?
- √2 einschachteln: Tippe auf das Teilintervall, in dem liegt. Was zeigt die Probe, wenn du daneben tippst? Warum endet die Schachtelung bei √49 sofort?
- √2 ist kein Bruch: Gehe den Beweis Schritt für Schritt durch und betrachte die Fast-Treffer .
Aufgaben
Aufgabe 1: Zwischen zwei Quadratzahlen
Zwischen welchen natürlichen Zahlen liegt ? Vereinfache durch teilweises Wurzelziehen. Aufgabe laden
Lösung anzeigen
, also . Weiter . In der Simulation zeigen
Aufgabe 2: Heron von Hand
Berechne mit dem Heron-Verfahren zwei Näherungen für , Start . Aufgabe laden
Lösung anzeigen
und .
. Zum Vergleich: – schon vier Nachkommastellen stimmen. In der Simulation zeigen
Aufgabe 3: Intervalle bestimmen
Zwischen welchen Zahlen mit einer bzw. zwei Nachkommastellen liegt ? Begründe durch Quadrieren. Aufgabe laden
Aufgabe 4: Warum liegt √a immer dazwischen?
Begründe mit dem Bild vom umgelegten Streifen: mit . Was folgt daraus für und ? Umlegen ansehen
Lösung anzeigen
Das Fast-Quadrat mit der Seite besteht aus dem ganzen Rechteck (Fläche ) und der fehlenden Ecke (Fläche ). Also , d. h. . Wegen ist dann : liegt immer zwischen den beiden Seiten.
Aufgabe 5: Wie genau ist 577/408?
Beim Heron-Verfahren für (Start ) ist . Wie viele Nachkommastellen stimmen? Berechne ohne Taschenrechner möglichst genau. Aufgabe laden
Lösung anzeigen
und : Fünf Nachkommastellen stimmen. Es ist und . Also – fast , aber eben nicht genau. Zeigen
Aufgabe 6: Kein Bruch trifft genau
Prüfe ohne Taschenrechner, ob oder gleich sein kann. Beweis ansehen
Lösung anzeigen
, aber ; , aber . Beide Male fehlt genau – sehr nah, aber nie gleich: ist nach dem Beweis unmöglich. Alle Schritte zeigen
Ideen für den Unterricht
- Einsatz: Etwa Klasse 9, Quadratwurzeln (Wurzelbegriff, Näherungsverfahren, irrationale und reelle Zahlen, Rechnen mit Wurzeln). Die vier Ansichten passen gut als Einstieg (Kästchen), Erarbeitung (Heron, Intervalle) und Vertiefung (Beweis).
- Ohne Formel beginnen: Das umgelegte Rechteck macht das Heron-Verfahren anschaulich, bevor die Formel steht. Vielleicht lohnt es sich, die Lernenden zuerst selbst vorschlagen zu lassen, wie man ein Rechteck „quadratischer“ machen könnte.
- Wettrechnen: Wer schafft zuerst sechs richtige Stellen – mit Heron oder mit der Intervallschachtelung?
- Für Aufgaben: Mit „Werte zeigen“ aus (
show=0) erscheinen und die Näherungen im Bild als „?“. - Modell: Fett sind in der Tabelle die Stellen, die schon mit übereinstimmen; die Intervallschachtelung rechnet ganzzahlig, also ohne Rundungsfehler.
- Häufige Stolpersteine:
- „“ – das ist nur eine Näherung; .
- Die Grenzen eines Intervalls werden geschätzt, aber nicht durch Quadrieren geprüft.
- Beim Heron-Verfahren wird die zweite Seite ebenfalls gemittelt statt als neu berechnet – dann stimmt die Fläche nicht mehr.
- – gilt nicht (z. B. ); nur für Produkte gilt .
- Aus „viele Stellen sehen zufällig aus“ wird auf irrational geschlossen – erst der Beweis zeigt, dass sich nichts wiederholt.