Worum geht es?
Viele Messgrößen – Körpergrößen, Abfüllmengen, Messfehler, IQ-Werte – sind näherungsweise normalverteilt. Ihre Werte häufen sich um den Erwartungswert ; die Standardabweichung beschreibt, wie stark sie streuen. Man schreibt .
Bei einer stetigen Zufallsgröße hat ein einzelner Wert die Wahrscheinlichkeit : Über einem Punkt liegt keine Fläche, also . Man fragt nach Intervallen. Die Wahrscheinlichkeit ist die Fläche unter der Dichtekurve
zwischen und . Die Verteilungsfunktion gibt die Fläche links von an; also ist und . Für die Standardnormalverteilung heißt sie ; nach dem Standardisieren gilt , zum Beispiel beim IQ .
Eigenschaften der Glockenkurve: symmetrisch zu , Hochpunkt bei mit (für etwa ), Wendestellen bei , Gesamtfläche . Die Wendetangenten schneiden die -Achse genau bei . Halbiert man , wird die Glocke halb so breit und doppelt so hoch.
Sigma-Regeln: , für etwa , für etwa – für jede Normalverteilung. Standardisieren: Mit wird jede Normalverteilung zur Standardnormalverteilung . Die Glocke wird um verschoben und mit dem Faktor gestreckt bzw. gestaucht, die markierte Fläche bleibt dabei gleich groß. Deshalb genügt eine einzige Tabelle für . Umkehrung (Quantile): Ist die Wahrscheinlichkeit gegeben und die Grenze gesucht, liest man die -Tabelle rückwärts. Aus folgt , also und .
Näherung der Binomialverteilung: Für mit und gilt bei großem die Näherung . Das ist die Stetigkeitskorrektur: Der Balken für reicht von bis . Als Faustregel gilt die Laplace-Bedingung .
Ausprobieren
- Standardnormalverteilung: Ziehe die Grenzen und . Wie ändern sich die Fläche und der Balken ? (Hier ist .) Drücke nacheinander „μ ± σ“, „μ ± 2σ“ und „μ ± 3σ“.
- Verändere , während „μ ± σ“ markiert ist. Warum bleibt die Wahrscheinlichkeit gleich, obwohl die Kurve ganz anders aussieht?
- Eigenschaften der Glocke: Wo liegen Hochpunkt, Wendestellen und die Nullstellen der Wendetangenten? Stelle dann sehr kleines σ ein: Wie hoch wird die Glocke?
- Standardisieren: Drücke „Standardisieren“. Beobachte, wie die IQ-Achse zur -Achse wird. Welche Zahlen stehen am Ende über und ?
- Sonderfall X = a: Warum ist , obwohl die Kurve dort nicht null ist?
- Umkehrung: Drücke „Grenze suchen“ und ziehe die Grenze. Zwischen welchen Tabellenwerten liegt ?
- Zwei Abfüllanlagen: Welche Anlage hält den Bereich bis besser ein? Drücke „Beide mittig einstellen“. Vergleiche mit schmal, aber verschoben.
- Binomialverteilung nähern: Schalte die Stetigkeitskorrektur aus und an. Ziehe dann in der Stichprobe 1000 Werte auf einmal.
Aufgaben
Aufgabe 1: Standardisieren
a) Berechne und beim IQ (, ). Aufgabe laden b) Eine Anlage füllt Flaschen mit und . Wie wahrscheinlich sind bis ? Aufgabe laden
Aufgabe 2: Die Grenze ist gesucht
a) Welcher IQ wird nur von der Menschen übertroffen? b) In welchem Bereich symmetrisch um liegen der Füllmengen? Aufgabe laden
Lösung anzeigen
a) , also . In der Tabelle liegt zwischen und , also . Dann . Lösung zeigen
b) , also und . , Bereich . Lösung zeigen
Aufgabe 3: Zwei Anlagen, eine Toleranz
Anlage A: , . Anlage B: , . Erlaubt sind bis . Welche Anlage ist besser? Was ändert sich, wenn man B auf einstellt? Aufgabe laden
Lösung anzeigen
A: . B: , , also . B ist besser. Mittig eingestellt liegen die Grenzen bei , dann sind es sogar . Lösung zeigen
Aufgabe 4: Binomialverteilung nähern
Eine Münze wird 100-mal geworfen. Berechne für die Anzahl der Wappen näherungsweise. Aufgabe laden
Lösung anzeigen
, . . Exakt: . Ohne Stetigkeitskorrektur: . Lösung zeigen
Aufgabe 5: Laplace-Bedingung (Knobelaufgabe)
Bei : Ab welcher Anzahl ist die Laplace-Bedingung erfüllt? Ist sie für erfüllt? Aufgabe laden
Lösung anzeigen
. Für ist – knapp nicht erfüllt. Erst ab . Lösung zeigen
Ideen für den Unterricht
- Einsatz: Oberstufe (stetige Zufallsgrößen, Normalverteilung). Ob Quantile und die Näherung der Binomialverteilung im Unterricht gerechnet werden, bitte am Lehrplan prüfen.
- Einstieg über die Fläche: Erst schätzen lassen, welcher Anteil zwischen und liegt, dann ziehen und vergleichen. Der Balken im Diagramm der Verteilungsfunktion zeigt, warum man zwei Tabellenwerte subtrahiert.
- Standardisieren sichtbar machen: Die Animation eignet sich, um zu begründen, warum eine einzige -Tabelle für alle Normalverteilungen reicht.
- Tabelle rückwärts und Qualitätskontrolle: Die Ansicht „Umkehrung“ zeigt, wo man in der Tabelle sucht (Vergleich mit dem Taschenrechner). Beim Vergleich zweier Anlagen kann die Klasse vorab argumentieren, ob kleines oder mittiges wichtiger ist.
- Häufige Stolpersteine:
- Die Höhe der Dichtekurve wird als Wahrscheinlichkeit gelesen – es zählt die Fläche; kann sogar größer als sein.
- Bei wird vergessen.
- Beim Standardisieren werden und vertauscht oder es wird durch geteilt.
- Bei der Umkehrung wird statt gesucht.
- Die Stetigkeitskorrektur wird vergessen oder falsch angewendet ().