PhysikKlasse 6–10

Linsen und Bildentstehung

Verschiebe eine Kerze vor einer Linse und konstruiere das Bild mit drei besonderen Strahlen. Auf dem Schirm wird es scharf.

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Worum geht es?

Eine Sammellinse (konvex, in der Mitte dicker) bricht Licht, das parallel zur optischen Achse einfällt, so, dass es sich im Brennpunkt FF trifft. Der Abstand vom Brennpunkt zur Linsenmitte ist die Brennweite ff. Eine Zerstreuungslinse (konkav, in der Mitte dünner) lässt paralleles Licht auseinanderlaufen, als käme es von einem Brennpunkt vor der Linse.

Bildkonstruktion. Von jedem Punkt eines Gegenstands geht Licht aus. Um den Bildpunkt der Pfeilspitze zu finden, genügen zwei von drei besonderen Strahlen (gebrochen wird vereinfacht an der Mittelebene der Linse):

  • Parallelstrahl: läuft parallel zur Achse und wird zum Brennpunktstrahl – durch FF hinter der Linse.
  • Mittelpunktstrahl: geht ungebrochen durch die Linsenmitte.
  • Brennpunktstrahl: läuft durch FF vor der Linse und danach parallel zur Achse.

Schneiden sich die Strahlen hinter der Linse, entsteht ein reelles Bild – man kann es auf einem Schirm auffangen. Laufen sie auseinander, scheinen sie (rückwärts verlängert) von einem Punkt vor der Linse zu kommen: ein virtuelles Bild, das man nur beim Blick durch die Linse sieht.

Linsengleichung und Abbildungsmaßstab. Mit der Gegenstandsweite gg, der Bildweite bb, der Gegenstandsgröße GG und der Bildgröße BB gilt

1f=1g+1bundBG=bg.\frac{1}{f} = \frac{1}{g} + \frac{1}{b} \qquad\text{und}\qquad \frac{B}{G} = \frac{b}{g}.

Bei einem virtuellen Bild wird bb negativ, bei einer Zerstreuungslinse ist ff negativ. Die Brechkraft D=1fD = \frac{1}{f} wird in Dioptrien angegeben: 1 dpt=1m1\,\text{dpt} = \frac{1}{\text{m}}, eine Linse mit f=10 cmf = 10\,\text{cm} hat 10 dpt10\,\text{dpt}.

Gegenstandsweite Bild Anwendung
g>2fg > 2f reell, umgekehrt, verkleinert, f<b<2ff < b < 2f Kamera, Auge
g=2fg = 2f reell, umgekehrt, gleich groß, b=2fb = 2f –
f<g<2ff < g < 2f reell, umgekehrt, vergrößert, b>2fb > 2f Projektor, Beamer
g=fg = f kein Bild (Strahlen parallel) Scheinwerfer (umgekehrter Lichtweg)
g<fg < f virtuell, aufrecht, vergrößert Lupe

Optische Bank. Mit Kerze, Linse und Schirm sieht man ein scharfes Bild nur, wenn der Schirm in der Bildweite steht. Davor oder dahinter trifft jedes Lichtbündel als Fleck auf den Schirm – das Bild wird unscharf. Eine kleine Blende macht die Bündel schmaler: Das Bild wird dunkler, bleibt aber über einen größeren Bereich scharf (Schärfentiefe).

Ausprobieren

  1. Ziehe den Gegenstand langsam von weit weg bis an die Linse – oder drücke Abspielen. Wie verändern sich Lage, Größe und Richtung des Bildes?
  2. Stelle den Gegenstand genau in die doppelte Brennweite. Was fällt dir am Bild auf? g = 2f
  3. Was passiert, wenn der Gegenstand im Brennpunkt steht? Schalte das Lichtbündel ein. g = f
  4. Rücke den Gegenstand innerhalb der Brennweite. Wo liegt jetzt das Bild? Lupe
  5. Wechsle zur Zerstreuungslinse und verschiebe den Gegenstand. Kannst du ein reelles Bild erzeugen? Zerstreuungslinse
  6. Schalte das Lichtbündel ein: Alle Strahlen von der Pfeilspitze treffen sich im Bildpunkt – nicht nur die drei Konstruktionsstrahlen. Lichtbündel
  7. Schiebe auf der optischen Bank den Schirm, bis das Kerzenbild scharf ist. Prüfe mit der Linsengleichung. Optische Bank
  8. Verkleinere die Blende. Wie ändern sich Helligkeit und Schärfe? Kleine Blende

Aufgaben

Aufgabe 1: Bild konstruieren und berechnen

Ein G=4 cmG = 4\,\text{cm} großer Gegenstand steht g=25 cmg = 25\,\text{cm} vor einer Sammellinse mit f=10 cmf = 10\,\text{cm}. Konstruiere das Bild und berechne bb und BB. Welche Eigenschaften hat das Bild? Aufgabe laden

Lösung anzeigen

1b=1f−1g=110 cm−125 cm=350 cm\frac{1}{b} = \frac{1}{f} - \frac{1}{g} = \frac{1}{10\,\text{cm}} - \frac{1}{25\,\text{cm}} = \frac{3}{50\,\text{cm}}, also b≈16,7 cmb \approx 16{,}7\,\text{cm}.

B=G⋅bg≈4 cm⋅16,725≈2,7 cmB = G \cdot \frac{b}{g} \approx 4\,\text{cm} \cdot \frac{16{,}7}{25} \approx 2{,}7\,\text{cm}. Das Bild ist reell, umgekehrt und verkleinert (g>2fg > 2f). In der Simulation zeigen

Aufgabe 2: Der Projektor

Ein Projektor hat ein Objektiv mit f=10 cmf = 10\,\text{cm}. Das Bild eines 3 cm3\,\text{cm} großen Dias soll auf einer Leinwand b=50 cmb = 50\,\text{cm} hinter der Linse scharf erscheinen. Wie weit muss das Dia von der Linse entfernt sein, und wie groß wird das Bild? Aufgabe laden

Lösung anzeigen

1g=110 cm−150 cm=450 cm\frac{1}{g} = \frac{1}{10\,\text{cm}} - \frac{1}{50\,\text{cm}} = \frac{4}{50\,\text{cm}}, also g=12,5 cmg = 12{,}5\,\text{cm} – knapp außerhalb der Brennweite. B=3 cm⋅5012,5=12 cmB = 3\,\text{cm} \cdot \frac{50}{12{,}5} = 12\,\text{cm}. In der Simulation zeigen

Aufgabe 3: Die Lupe

Eine Lupe hat die Brennweite f=8 cmf = 8\,\text{cm}. Eine 3 cm3\,\text{cm} große Briefmarke liegt 6 cm6\,\text{cm} vor der Linse. Wo entsteht das Bild, und wie groß erscheint es? Aufgabe laden

Lösung anzeigen

1b=18 cm−16 cm=−124 cm\frac{1}{b} = \frac{1}{8\,\text{cm}} - \frac{1}{6\,\text{cm}} = -\frac{1}{24\,\text{cm}}, also b=−24 cmb = -24\,\text{cm}: ein virtuelles Bild 24 cm24\,\text{cm} vor der Linse, auf derselben Seite wie die Briefmarke. BG=246=4\frac{B}{G} = \frac{24}{6} = 4, das Bild ist aufrecht und 12 cm12\,\text{cm} groß. In der Simulation zeigen

Aufgabe 4: Scharfstellen bei der Kamera

Ein Kameraobjektiv hat f=5 cmf = 5\,\text{cm}. Wie weit muss der Sensor hinter der Linse sein, wenn der Gegenstand 50 cm50\,\text{cm} bzw. 20 cm20\,\text{cm} entfernt ist? Was muss man also beim Scharfstellen tun, wenn der Gegenstand näher kommt?

Lösung anzeigen

b=f⋅gg−f=5⋅5045 cm≈5,6 cmb = \frac{f \cdot g}{g - f} = \frac{5 \cdot 50}{45}\,\text{cm} \approx 5{,}6\,\text{cm} bzw. 5⋅2015 cm≈6,7 cm\frac{5 \cdot 20}{15}\,\text{cm} \approx 6{,}7\,\text{cm}. Kommt der Gegenstand näher, muss das Objektiv weiter vom Sensor weg. Das Auge macht es anders: Dort bleibt der Abstand gleich, und die Augenlinse wird stärker gekrümmt (kleinere Brennweite). Gegenstand bei 50 cm · bei 20 cm

Aufgabe 5: Zerstreuungslinse

Ein 5 cm5\,\text{cm} großer Gegenstand steht 15 cm15\,\text{cm} vor einer Zerstreuungslinse mit f=−10 cmf = -10\,\text{cm}. Berechne bb und BB.

Lösung anzeigen

1b=−110 cm−115 cm=−16 cm\frac{1}{b} = -\frac{1}{10\,\text{cm}} - \frac{1}{15\,\text{cm}} = -\frac{1}{6\,\text{cm}}, also b=−6 cmb = -6\,\text{cm} (virtuell, vor der Linse). B=5 cm⋅615=2 cmB = 5\,\text{cm} \cdot \frac{6}{15} = 2\,\text{cm}: aufrecht und verkleinert. In der Simulation zeigen

Aufgabe 6: Gleich groß

Zeige mit der Linsengleichung: Steht der Gegenstand in der doppelten Brennweite, entsteht das Bild ebenfalls in der doppelten Brennweite und ist gleich groß.

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Mit g=2fg = 2f: 1b=1f−12f=12f\frac{1}{b} = \frac{1}{f} - \frac{1}{2f} = \frac{1}{2f}, also b=2fb = 2f, und BG=bg=1\frac{B}{G} = \frac{b}{g} = 1. In der Simulation zeigen

Ideen für den Unterricht

  • Einsatz: Optik in der Mittelstufe (Linsen, Bildentstehung, optische Geräte), etwa Klasse 8 bis 10. Teil 1 eignet sich zum Einführen und Üben der Bildkonstruktion, Teil 2 als Ersatz oder Vorbereitung für den Versuch auf der optischen Bank.
  • Modell: dünne Linse, achsennahe Strahlen, keine Linsenfehler; gebrochen wird an der Mittelebene. Konstruktionsstrahlen dürfen die Mittelebene auch außerhalb der gezeichneten Linse treffen – sie dienen nur der Konstruktion. Die Zeichnung passt ihren Maßstab der Brennweite an.
  • Vorzeichen: virtuelles Bild b<0b < 0, Zerstreuungslinse f<0f < 0; im Abbildungsmaßstab werden Beträge verwendet.
  • Konstruktionsübungen: Unter „Anzeige“ lassen sich Bild und Strahlen ausblenden, die Ergebnisse mit _hide=1 verdecken.
  • Optische Bank: Das Schirmbild entsteht aus den Lichtbündeln aller Kerzenpunkte (Unschärfekreis aus ähnlichen Dreiecken); als scharf gilt ein Unschärfekreis bis 3 mm3\,\text{mm}. Die Blende verkleinert die wirksame Linsenöffnung.
  • Häufige Stolpersteine:
    • „Deckt man die halbe Linse ab, fehlt die Hälfte des Bildes.“ – Das ganze Bild bleibt, es wird nur dunkler (kleine Blende ausprobieren).
    • „Das Bild entsteht erst, wenn ein Schirm da ist.“ – Die Lichtbündel treffen sich auch ohne Schirm; der Schirm macht das Bild sichtbar.
    • „Es gibt nur die drei Konstruktionsstrahlen.“ – Sie sind Hilfsmittel; das Lichtbündel zeigt, dass alle Strahlen durch den Bildpunkt gehen.
    • „Ein virtuelles Bild kann man nicht sehen.“ – Man sieht es beim Blick durch die Linse, nur auffangen kann man es nicht.