PhysikKlasse 10–13

Doppelspalt und Gitter

Laserlicht fällt durch einen Doppelspalt oder ein Gitter. Auf dem Schirm entsteht ein Muster aus hellen und dunklen Streifen.

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Worum geht es?

Schickt man Laserlicht durch zwei sehr schmale, eng benachbarte Spalte, sieht man auf einem weit entfernten Schirm nicht zwei helle Striche, sondern eine ganze Reihe heller und dunkler Streifen. Das lässt sich nur mit dem Wellenmodell des Lichts erklären: Von jedem Spalt geht nach dem Huygens-Prinzip eine Kreiswelle aus, und die Wellen überlagern sich (Interferenz).

In Richtung α\alpha hat das Licht aus benachbarten Spalten den Gangunterschied Δs=g⋅sin⁡α\Delta s = g \cdot \sin\alpha; gg ist der Abstand der Spaltmitten. Hauptmaxima (Verstärkung) entstehen, wenn Δs\Delta s ein Vielfaches der Wellenlänge ist:

sin⁡αk=k⋅λg,k=0,±1,±2,…\sin\alpha_k = \frac{k \cdot \lambda}{g}, \qquad k = 0, \pm 1, \pm 2, \dots

Auf einem Schirm im Abstand aa liegt das kk-te Maximum bei xk=a⋅tan⁡αkx_k = a \cdot \tan\alpha_k. Für kleine Winkel gilt tan⁡α≈sin⁡α\tan\alpha \approx \sin\alpha, und benachbarte Maxima haben den Abstand

Δx≈λ⋅ag.\Delta x \approx \frac{\lambda \cdot a}{g}.

Dunkle Streifen (Minima) liegen beim Doppelspalt genau dazwischen: Dort ist der Gangunterschied ein ungerades Vielfaches der halben Wellenlänge, Δs=(2k+1)⋅λ2\Delta s = (2k + 1) \cdot \frac{\lambda}{2}, und die beiden Wellen löschen sich aus.

Weil ∣sin⁡α∣<1|\sin\alpha| < 1 sein muss, gibt es nur endlich viele Maxima: Die höchste Ordnung ist das größte kk mit k<gλk < \frac{g}{\lambda}. Ist λ≥g\lambda \geq g, gibt es außer der Mitte gar kein Maximum.

Mehr Spalte und Gitter: Mit NN Spalten bleiben die Hauptmaxima an denselben Stellen, werden aber schärfer und heller; dazwischen liegen N−1N - 1 Nullstellen und N−2N - 2 schwache Nebenmaxima. Ein Gitter hat sehr viele Spalte mit kleinem Abstand. Sein Spaltabstand heißt Gitterkonstante g=1 mmStrichzahl pro mmg = \frac{1\,\text{mm}}{\text{Strichzahl pro mm}}, bei 500500 Strichen pro mm also g=1 mm500=2 μmg = \frac{1\,\text{mm}}{500} = 2\,\mu\text{m}. Die Maxima sind scharfe Linien unter großen Winkeln – ideal zum genauen Messen von Wellenlängen. Weil die Winkel groß sind, muss man hier mit tan⁡\tan und sin⁡\sin rechnen; die Kleinwinkelnäherung ist zu ungenau.

Einzelspalt: Auch ein einzelner Spalt der Breite bb beugt das Licht. Er erzeugt ein breites helles Mittelmaximum und Minima bei sin⁡α=k⋅λb\sin\alpha = k \cdot \frac{\lambda}{b}. Diese Einzelspalt-Hülle begrenzt auch die Helligkeit der Maxima beim Doppelspalt und Gitter. Fällt ein Hauptmaximum genau auf ein Minimum der Hülle, fehlt es ganz („fehlende Ordnung“).

Licht und Farbe: Sichtbares Licht hat Wellenlängen von etwa 380 nm380\,\text{nm} (violett) bis 780 nm780\,\text{nm} (rot); der Regler deckt 400400 bis 700 nm700\,\text{nm} ab. Ein roter Laserpointer hat etwa 650 nm650\,\text{nm}, ein grüner 532 nm532\,\text{nm}. Rotes Licht wird stärker abgelenkt als blaues, die Streifen liegen also weiter auseinander.

Zur Darstellung: Im Aufbau oben sind die Spalte stark vergrößert und der Abstand aa ist nicht maßstäblich. Die Spaltbreite ist im Modell b=g6b = \frac{g}{6}; deshalb fehlen die Ordnungen k=6,12,…k = 6, 12, \dots Das Schirmbild und die Werte in der Tabelle sind dagegen genau berechnet.

Ausprobieren

  1. Beobachte das Wellenfeld hinter dem Doppelspalt. Wo verstärken sich die Wellen, wo löschen sie sich aus? Beispiel laden
  2. Ziehe die Messmarke auf das erste helle Maximum neben der Mitte und lies x1x_1 ab. Vergleiche mit Δx≈λag\Delta x \approx \frac{\lambda a}{g}.
  3. Verändere λ\lambda, gg und aa nacheinander. Wie ändert sich der Abstand der Streifen jeweils?
  4. Erhöhe die Anzahl der Spalte von 22 auf 55 und 1010. Was passiert mit den Maxima, was entsteht dazwischen? Fünf Spalte
  5. Schalte auf das Gitter um. Warum sieht man nur wenige, weit auseinanderliegende Linien? Gitter
  6. Nur ein Spalt: Wie sieht das Muster jetzt aus? Einzelspalt

Aufgaben

Aufgabe 1: Roter Laser am Doppelspalt

Ein Laser (λ=650 nm\lambda = 650\,\text{nm}) beleuchtet einen Doppelspalt mit g=0,10 mmg = 0{,}10\,\text{mm}. Der Schirm ist 2,0 m2{,}0\,\text{m} entfernt. Wie weit liegen benachbarte Maxima auseinander? Aufgabe laden

Lösung anzeigen

Δx≈λ⋅ag=650⋅10−9 m⋅2,0 m0,10⋅10−3 m=13 mm\Delta x \approx \frac{\lambda \cdot a}{g} = \frac{650 \cdot 10^{-9}\,\text{m} \cdot 2{,}0\,\text{m}}{0{,}10 \cdot 10^{-3}\,\text{m}} = 13\,\text{mm}. Der Winkel zum ersten Maximum ist nur 0,37°0{,}37°, die Kleinwinkelnäherung passt also sehr gut. In der Simulation zeigen

Aufgabe 2: Wellenlänge messen

Am gleichen Doppelspalt (g=0,10 mmg = 0{,}10\,\text{mm}, a=2,0 ma = 2{,}0\,\text{m}) misst man vom Maximum k=−2k = -2 bis k=2k = 2 den Abstand 52 mm52\,\text{mm}. Bestimme λ\lambda.

Lösung anzeigen

Zwischen k=−2k = -2 und k=2k = 2 liegen 44 Abstände: Δx=13 mm\Delta x = 13\,\text{mm}. λ=Δx⋅ga=13⋅10−3 m⋅0,10⋅10−3 m2,0 m=650 nm\lambda = \frac{\Delta x \cdot g}{a} = \frac{13 \cdot 10^{-3}\,\text{m} \cdot 0{,}10 \cdot 10^{-3}\,\text{m}}{2{,}0\,\text{m}} = 650\,\text{nm}. Über mehrere Abstände zu messen verkleinert den Messfehler.

Aufgabe 3: Gitter

Ein Gitter hat 500500 Striche pro mm; es wird mit λ=500 nm\lambda = 500\,\text{nm} beleuchtet, der Schirm ist 1,0 m1{,}0\,\text{m} entfernt. Berechne α1\alpha_1 und x1x_1. Welches ist die höchste sichtbare Ordnung? Aufgabe laden

Lösung anzeigen

g=1 mm500=2 μmg = \frac{1\,\text{mm}}{500} = 2\,\mu\text{m}. sin⁡α1=500 nm2000 nm=0,25\sin\alpha_1 = \frac{500\,\text{nm}}{2000\,\text{nm}} = 0{,}25, also α1≈14,48°\alpha_1 \approx 14{,}48° und x1=1,0 m⋅tan⁡14,48°≈25,8 cmx_1 = 1{,}0\,\text{m} \cdot \tan 14{,}48° \approx 25{,}8\,\text{cm}. Wegen gλ=4\frac{g}{\lambda} = 4 läge k=4k = 4 genau bei 90°90°; sichtbar sind k=0,±1,±2,±3k = 0, \pm 1, \pm 2, \pm 3 (α3≈48,6°\alpha_3 \approx 48{,}6°). In der Simulation zeigen

Aufgabe 4: Kleinwinkelnäherung beim Gitter

Warum darf man in Aufgabe 3 nicht mit Δx≈λag\Delta x \approx \frac{\lambda a}{g} rechnen? Vergleiche x1x_1 und x2x_2.

Lösung anzeigen

Die Winkel sind groß (α2=30°\alpha_2 = 30°). Mit tan⁡\tan ergibt sich x2=tan⁡30°⋅1,0 m≈57,7 cmx_2 = \tan 30° \cdot 1{,}0\,\text{m} \approx 57{,}7\,\text{cm}, also nicht das Doppelte von x1=25,8 cmx_1 = 25{,}8\,\text{cm}. Die Näherung würde für alle Abstände 25 cm25\,\text{cm} liefern.

Aufgabe 5: Mehr Spalte

Was ändert sich am Schirmbild, wenn man statt zwei Spalten fünf Spalte mit gleichem Abstand nimmt? Was bleibt gleich? Fünf Spalte

Lösung anzeigen

Die Lage der Hauptmaxima bleibt gleich, denn sie hängt nur von gg und λ\lambda ab. Die Maxima werden schmaler und heller; dazwischen gibt es 44 Nullstellen und 33 schwache Nebenmaxima.

Aufgabe 6: Erstes Minimum

Wo liegt beim Doppelspalt aus Aufgabe 1 das erste dunkle Minimum neben der Mitte? Begründe mit dem Gangunterschied. Aufgabe laden

Lösung anzeigen

Beim ersten Minimum ist Δs=λ2\Delta s = \frac{\lambda}{2}, also sin⁡α=λ2g=650 nm0,20 mm=0,00325\sin\alpha = \frac{\lambda}{2g} = \frac{650\,\text{nm}}{0{,}20\,\text{mm}} = 0{,}00325. Damit x≈a⋅sin⁡α=2,0 m⋅0,00325=6,5 mmx \approx a \cdot \sin\alpha = 2{,}0\,\text{m} \cdot 0{,}00325 = 6{,}5\,\text{mm}, genau in der Mitte zwischen k=0k = 0 und k=1k = 1. Die Messmarke zeigt dort 0 %0\,\% Intensität. In der Simulation zeigen

Aufgabe 7: Wellenlänge mit dem Gitter messen

Ein grüner Laser beleuchtet ein Gitter mit 500500 Strichen pro mm. Auf dem Schirm in 1,0 m1{,}0\,\text{m} Abstand liegt das Maximum 1. Ordnung 27,6 cm27{,}6\,\text{cm} neben der Mitte. Bestimme λ\lambda.

Lösung anzeigen

tan⁡α1=27,6 cm100 cm=0,276\tan\alpha_1 = \frac{27{,}6\,\text{cm}}{100\,\text{cm}} = 0{,}276, also α1≈15,43°\alpha_1 \approx 15{,}43° und sin⁡α1≈0,266\sin\alpha_1 \approx 0{,}266. Mit g=2 μmg = 2\,\mu\text{m} folgt λ=g⋅sin⁡α1≈2000 nm⋅0,266≈532 nm\lambda = g \cdot \sin\alpha_1 \approx 2000\,\text{nm} \cdot 0{,}266 \approx 532\,\text{nm}. Die Kleinwinkelnäherung (λ≈g⋅xa\lambda \approx \frac{g \cdot x}{a}) ergäbe 552 nm552\,\text{nm}, also fast 4 %4\,\% zu viel. In der Simulation zeigen

Ideen für den Unterricht

  • Einsatz: in der Oberstufe beim Wellenmodell des Lichts; die genaue Einordnung bitte am Lehrplan prüfen. Gut als Vorbereitung auf den Schülerversuch mit Laser, Doppelspalt und Gitter: erst hier vorhersagen, dann real messen.
  • Möglicher Ablauf: an die Interferenz in der Wellenwanne anknüpfen, dann die Bedingung Δs=k⋅λ\Delta s = k \cdot \lambda für Licht übertragen, mit der Messmarke Δx\Delta x bestimmen und zum Schluss mit dem Gitter die Wellenlänge genau messen. Mit dem Schalter „Werte im Bild anzeigen“ lassen sich Winkel und Abstände in der Tabelle verdecken; die Aufgaben-Links tun das automatisch.
  • Modell: Fraunhofer-Näherung (Schirm weit entfernt), gleiche Spaltbreiten b=g6b = \frac{g}{6}, ideal monochromatisches Licht.
  • Häufige Stolpersteine:
    • „Größerer Spaltabstand, größere Streifenabstände.“ – Umgekehrt: Δx∼1g\Delta x \sim \frac{1}{g}.
    • „Das Gitter hat mehr Maxima, weil es mehr Spalte hat.“ – Die Zahl der Hauptmaxima hängt von gλ\frac{g}{\lambda} ab, nicht von NN; mehr Spalte machen sie nur schärfer.
    • Die Kleinwinkelnäherung wird beim Gitter oft ungeprüft verwendet.
  • Weiterführend: Spektren mit dem Gitter, Elektronenbeugung, Röntgenbeugung an Kristallen, Interferenz an dünnen Schichten.