Worum geht es?
Ändert sich das Magnetfeld, das eine Spule durchsetzt, entsteht an ihren Enden eine Spannung: elektromagnetische Induktion. Entscheidend ist der magnetische Fluss
also die Flussdichte mal die Fläche , die das Feld senkrecht durchsetzt ( ist der Winkel zwischen Feld und Flächennormale). Das Induktionsgesetz lautet
mit der Windungszahl . Es kommt also nicht auf den Fluss selbst an, sondern darauf, wie schnell er sich ändert. Ruht alles, ist die Spannung null.
Den Fluss kann man auf drei Arten ändern – genau das zeigen die drei Versuche:
- Magnet und Spule: Der Magnet wird bewegt, in der Spule ändert sich. Hineinschieben und Herausziehen geben Spannungen mit verschiedenem Vorzeichen; schneller bewegen und mehr Windungen geben mehr Spannung.
- Leiterschleife im Feld: Ein Stab der Länge gleitet mit der Geschwindigkeit auf zwei Schienen durch ein homogenes Feld. Die eingeschlossene Fläche wächst um pro Sekunde, also
Dasselbe Ergebnis folgt aus der Lorentzkraft auf die Elektronen im bewegten Stab.
- Generator: Eine Spule dreht sich mit der Frequenz im Feld. Der Winkel ändert sich gleichmäßig, mit , und es entsteht eine Wechselspannung
Die Spannung ist am größten, wenn die Spulenfläche parallel zum Feld steht – dann ist der Fluss null, ändert sich aber am schnellsten.
Lenzsche Regel: Das Minuszeichen im Induktionsgesetz bedeutet, dass der Induktionsstrom seiner Ursache entgegenwirkt. Nähert sich ein Nordpol, wird das Spulenende zum Nordpol und stößt den Magneten ab; der Stab auf den Schienen wird durch die Kraft gebremst. Deshalb muss man Arbeit verrichten – sie kommt als elektrische Energie im Stromkreis an.
Zur Darstellung: Der Generator läuft im Bild zehnfach verlangsamt, das Diagramm zeigt aber die echte Zeit. Beim Stab auf Schienen hat der Stromkreis im Modell den Widerstand . Der Messbereich des Spannungsmessers stellt sich selbst ein. Magnet und Stab lassen sich auch mit der Tastatur bewegen: Bühne mit der Tabulatortaste auswählen, dann Eingabetaste – der Stab fährt dabei gleichmäßig mit der eingestellten Geschwindigkeit .
Ausprobieren
- Beobachte Spannungsmesser und Diagramm, während der Magnet in die Spule fährt und wieder heraus. Wann ist die Spannung null? Beispiel laden
- Schalte „automatisch“ aus und ziehe den Magneten selbst: langsam, schnell, gar nicht. Selbst ziehen
- Verdreifache die Windungszahl. Was ändert sich? Dreifache Windungszahl
- Beim Stab auf Schienen: Wie hängt die Spannung von , und ab? Achte auf die Pfeile für und . Stab auf Schienen
- Beim Generator: In welcher Stellung der Spule ist die Spannung am größten? Vergleiche die Kurven von und . Generator
- Verdopple beim Generator die Drehfrequenz. Was passiert mit Periodendauer und Scheitelwert? Doppelte Frequenz
Aufgaben
Aufgabe 1: Bewegter Leiter
Aufgabe ladenEin Stab der Länge bewegt sich mit senkrecht durch ein Magnetfeld mit . Berechne die induzierte Spannung.
Lösung anzeigen
Aufgabe 2: Strom und bremsende Kraft
Der Stab aus Aufgabe 1 ist über einen Widerstand von geschlossen. Berechne Stromstärke, bremsende Kraft und die nötige mechanische Leistung. Vergleiche mit der elektrischen Leistung.
Lösung anzeigen
, . Mechanische Leistung , elektrische Leistung – die Energie bleibt erhalten.
Aufgabe 3: Generator
Aufgabe ladenEine Spule mit Windungen und dreht sich mit in einem Feld mit . Berechne Scheitelwert, Effektivwert und Periodendauer der Spannung.
Lösung anzeigen
, , , . In der Simulation zeigen
Aufgabe 4: Doppelte Frequenz
Wie ändern sich Scheitelwert und Periodendauer, wenn sich der Generator aus Aufgabe 3 doppelt so schnell dreht?
Lösung anzeigen
: Der Scheitelwert verdoppelt sich auf etwa , die Periodendauer halbiert sich auf . In der Simulation zeigen
Aufgabe 5: Lenzsche Regel
Ein Magnet wird mit dem Nordpol voran in eine Spule geschoben. Welcher Pol entsteht am Spulenende, das dem Magneten zugewandt ist? Was passiert, wenn man ihn wieder herauszieht? Magnet und Spule
Lösung anzeigen
Beim Hineinschieben entsteht dort ein Nordpol: Die Spule stößt den Magneten ab. Beim Herausziehen entsteht ein Südpol, der den Magneten anzieht. In beiden Fällen wird die Bewegung gebremst; die Spannung hat entgegengesetzte Vorzeichen.
Aufgabe 6: Feld einschalten
Eine Spule mit Windungen und steht senkrecht zu einem Magnetfeld, das in gleichmäßig von auf ansteigt. Welche Spannung wird induziert?
Lösung anzeigen
, .
Hier ändert sich die Flussdichte bei fester Fläche. Beim Stab auf den Schienen ist es umgekehrt: bleibt gleich, die Fläche wächst.
Aufgabe 7: Stellung der Spule
Aufgabe ladenDer Generator aus Aufgabe 3 dreht sich. Wie groß ist die Spannung in dem Moment, in dem die Flächennormale mit dem Feld den Winkel einschließt? Und bei ?
Lösung anzeigen
mit : Bei ist . Bei steht die Spulenfläche parallel zum Feld: Der Fluss ist null, ändert sich aber am schnellsten, also . Im Bild erkennst du die Stellung am Pfeil der Flächennormale und an der Anzeige .
Ideen für den Unterricht
- Einsatz: in der Oberstufe beim Thema Induktion; die genaue Einordnung bitte am Lehrplan prüfen. Die drei Versuche passen zu den üblichen Freihandversuchen mit Stabmagnet, Leiterschaukel und Handgenerator.
- Möglicher Ablauf: mit dem Magneten qualitativ beginnen (wann gibt es Spannung?), dann mit dem Stab auf Schienen quantitativ herleiten und zum allgemeinen Induktionsgesetz verallgemeinern, zum Schluss der Generator als Anwendung.
- Modell: Feld des Stabmagneten auf der Spulenachse, dünne Spule; beim Generator homogenes Feld; Selbstinduktion und Rückwirkung auf die Bewegung werden nicht berechnet.
- Häufige Stolpersteine:
- „Ein starker Magnet in der Spule erzeugt eine Spannung.“ – Nur die Änderung des Flusses zählt; ruht der Magnet, ist .
- „Beim Generator ist die Spannung am größten, wenn die Spule senkrecht zum Feld steht.“ – Dann ist der Fluss maximal, ändert sich aber gerade nicht.
- Das Minuszeichen wird oft weggelassen; es steckt die Lenzsche Regel und damit die Energieerhaltung darin.
- Weiterführend: Transformator, Wirbelströme (Wirbelstrombremse), Selbstinduktion, Wechselstromnetz.