PhysikKlasse 10–12

Transversal- und Longitudinalwellen

Eine Welle läuft durch eine Kette von Teilchen. Jedes Teilchen schwingt nur auf der Stelle, quer oder längs zur Laufrichtung.

Simulation wird geladen …

Worum geht es?

Eine mechanische Welle entsteht, wenn ein Erreger ein Teilchen einer Kette gekoppelter Teilchen (Oszillatoren) zum Schwingen bringt. Über die Kopplung (hier: Federn) wird die Bewegung an das nächste Teilchen weitergegeben, von dort an das übernächste usw. Jedes Teilchen beginnt etwas später zu schwingen als sein Vorgänger. Es breitet sich also ein Schwingungszustand und damit Energie aus – die Teilchen selbst wandern nicht mit, sie schwingen nur um ihre Ruhelage.

  • Transversalwelle (Querwelle): Die Teilchen schwingen senkrecht zur Ausbreitungsrichtung. Es entstehen Wellenberge und Wellentäler (z. B. Seilwelle).
  • Longitudinalwelle (Längswelle): Die Teilchen schwingen in Ausbreitungsrichtung. Es entstehen Verdichtungen und Verdünnungen (z. B. Schall in Luft).

Die Wellenfront läuft mit der Ausbreitungsgeschwindigkeit cc; vor ihr ist alles noch in Ruhe. Bis zur Stelle xx braucht die Welle die Zeit Δt=xc\Delta t = \frac{x}{c}. Weil jedes Teilchen die Bewegung des Erregers yE(t)=y^⋅sin⁡(ωt)y_E(t) = \hat y \cdot \sin(\omega t) nur verspätet wiederholt, gilt

y(x,t)=y^⋅sin⁡ ⁣(ω(t−xc))=y^⋅sin⁡ ⁣(2π(tT−xλ))fu¨r t≥xc.y(x, t) = \hat y \cdot \sin\!\Big(\omega \Big(t - \frac{x}{c}\Big)\Big) = \hat y \cdot \sin\!\Big(2\pi \Big(\frac{t}{T} - \frac{x}{\lambda}\Big)\Big) \quad \text{für } t \ge \frac{x}{c}.

Die Wellenlänge λ\lambda ist der kleinste Abstand zweier Teilchen, die gleichphasig schwingen (z. B. von Wellenberg zu Wellenberg oder von Verdichtung zu Verdichtung). Während einer Periodendauer TT läuft die Welle genau um eine Wellenlänge weiter:

c=λT=λ⋅f.c = \frac{\lambda}{T} = \lambda \cdot f .

Die Frequenz ff legt der Erreger fest, die Ausbreitungsgeschwindigkeit cc der Wellenträger (Kopplung, Masse der Teilchen). Die Wellenlänge ergibt sich daraus: λ=cf\lambda = \frac{c}{f}.

Zwei Teilchen im Abstand Δx\Delta x haben den Phasenunterschied Δφ=2π⋅Δxλ\Delta\varphi = 2\pi \cdot \frac{\Delta x}{\lambda}. Im Abstand λ\lambda ist er 2π2\pi (gleichphasig), im Abstand λ2\frac{\lambda}{2} ist er π\pi (gegenphasig).

Zwei Diagramme beschreiben die Welle: Die Momentaufnahme (auch Momentbild) y(x)y(x) zeigt die Auslenkung aller Teilchen zu einem Zeitpunkt (daran liest man λ\lambda ab), der Zeitverlauf (auch Zeitbild) y(t)y(t) zeigt die Bewegung eines Teilchens (daran liest man TT ab).

Ausprobieren

  1. Drücke auf „Neu starten“ und beobachte die Wellenfront. Was machen die Teilchen vor der Front?
  2. Verfolge das rote, markierte Teilchen. Bewegt es sich mit der Welle nach rechts? Achte auf den roten Schwingungsbereich. Wellenberg verfolgen
  3. Tippe ein anderes Teilchen an (in der Kette oder in der Momentaufnahme). Wann beginnt es zu schwingen? Vergleiche im y(t)y(t)-Diagramm mit dem Erreger.
  4. Lies an der grünen Klammer die Wellenlänge ab und prüfe c=λ⋅fc = \lambda \cdot f. Verändere ff bei gleichem cc: Was passiert mit λ\lambda? Hohe Frequenz
  5. Vergleiche Transversal- und Longitudinalwelle. Wo liegen die Verdichtungen im Vergleich zu den Wellenbergen? Beide im Vergleich
  6. Schalte die Zeiger ein. Sie stehen in gleichen Abständen über der Kette (Abstand Δx\Delta x am Maßband ablesen). Um welchen Winkel ist ein Zeiger gegenüber seinem linken Nachbarn gedreht? Prüfe mit Δφ=2π⋅Δxλ\Delta\varphi = 2\pi \cdot \frac{\Delta x}{\lambda}. Zeiger
  7. Löse einen Einzelpuls aus und halte die Wiedergabe an, wenn er mitten in der Kette ist. Wie lang ist der Puls? Einzelpuls

Aufgaben

Aufgabe 1: Wellenlänge berechnen

Ein Erreger schwingt mit f=0,8 Hzf = 0{,}8\,\text{Hz}, die Welle läuft mit c=1,2 msc = 1{,}2\,\tfrac{\text{m}}{\text{s}}. Berechne Periodendauer und Wellenlänge und miss λ\lambda in der Simulation nach. Aufgabe laden

Lösung anzeigen

T=1f=1,25 sT = \frac{1}{f} = 1{,}25\,\text{s} und λ=cf=1,2 m/s0,8 Hz=1,5 m\lambda = \frac{c}{f} = \frac{1{,}2\,\text{m/s}}{0{,}8\,\text{Hz}} = 1{,}5\,\text{m}. Am Maßband liegen zwischen zwei gleichphasigen Teilchen 15 Teilchenabstände von je 10 cm10\,\text{cm}. In der Simulation zeigen

Aufgabe 2: Ausbreitungsgeschwindigkeit aus einer Messung

In einer Momentaufnahme sind zwei benachbarte Wellenberge 0,8 m0{,}8\,\text{m} voneinander entfernt. Ein Teilchen führt 10 Schwingungen in 8 s8\,\text{s} aus. Wie schnell läuft die Welle?

Lösung anzeigen

λ=0,8 m\lambda = 0{,}8\,\text{m}, T=0,8 sT = 0{,}8\,\text{s}, also f=1,25 Hzf = 1{,}25\,\text{Hz} und c=λ⋅f=1,0 msc = \lambda \cdot f = 1{,}0\,\tfrac{\text{m}}{\text{s}}. Prüfen

Aufgabe 3: Wann geht es los?

Bei f=0,8 Hzf = 0{,}8\,\text{Hz} und c=1,2 msc = 1{,}2\,\tfrac{\text{m}}{\text{s}}: Wann beginnt Teilchen Nr. 30 (x=3 mx = 3\,\text{m}) zu schwingen? Wie groß ist sein Phasenunterschied zum Erreger? Aufgabe laden

Lösung anzeigen

Δt=xc=3 m1,2 m/s=2,5 s\Delta t = \frac{x}{c} = \frac{3\,\text{m}}{1{,}2\,\text{m/s}} = 2{,}5\,\text{s}. Δφ=2π⋅3 m1,5 m=4π\Delta\varphi = 2\pi \cdot \frac{3\,\text{m}}{1{,}5\,\text{m}} = 4\pi, also genau zwei volle Perioden: Das Teilchen schwingt (nach dem Einsetzen) gleichphasig mit dem Erreger.

Aufgabe 4: Frequenz verdoppeln

Die Frequenz des Erregers wird verdoppelt, der Wellenträger bleibt gleich. Wie ändern sich cc, λ\lambda und TT?

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cc bleibt gleich (Eigenschaft des Wellenträgers), TT und λ=cf\lambda = \frac{c}{f} werden halbiert. Vergleich: f = 0,8 Hz und f = 1,6 Hz

Aufgabe 5: Verdichtung und Wellenberg

In der Longitudinalwelle liegen die Verdichtungen nicht dort, wo die Teilchen am weitesten nach rechts ausgelenkt sind. Begründe mit der Momentaufnahme, wo sie liegen. Beispiel laden

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Eine Verdichtung entsteht, wo die Teilchen links davon nach rechts und die rechts davon nach links ausgelenkt sind – also an einer Nullstelle von y(x)y(x), an der yy mit wachsendem xx von positiven zu negativen Werten wechselt. Sie liegt eine Viertelwellenlänge vor bzw. hinter einem „Wellenberg“ der Auslenkung. Dort bewegen sich die Teilchen gerade am schnellsten in Ausbreitungsrichtung.

Aufgabe 6: Schall

Schall breitet sich in Luft mit etwa 340 ms340\,\tfrac{\text{m}}{\text{s}} als Longitudinalwelle aus (bei 20 ∘C20\,^\circ\text{C} genauer 343 ms343\,\tfrac{\text{m}}{\text{s}}). Welche Wellenlänge hat der Kammerton a′a' (440 Hz440\,\text{Hz})? Und ein tiefer Ton mit 50 Hz50\,\text{Hz}?

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λ=340 m/s440 Hz≈0,77 m\lambda = \frac{340\,\text{m/s}}{440\,\text{Hz}} \approx 0{,}77\,\text{m} und λ=340 m/s50 Hz=6,8 m\lambda = \frac{340\,\text{m/s}}{50\,\text{Hz}} = 6{,}8\,\text{m}.

Aufgabe 7: Gleicher Ton, anderer Wellenträger

Der Kammerton a′a' (440 Hz440\,\text{Hz}) wird unter Wasser gehört. Dort ist der Schall etwa 1480 ms1480\,\tfrac{\text{m}}{\text{s}} schnell. Welche Größen ändern sich gegenüber Luft, welche nicht? Berechne die Wellenlänge im Wasser.

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Die Frequenz bleibt 440 Hz440\,\text{Hz}, denn sie legt der Erreger fest. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit hängt vom Wellenträger ab, sie ist im Wasser größer. Damit wird auch die Wellenlänge größer: λ=1480 m/s440 Hz≈3,4 m\lambda = \frac{1480\,\text{m/s}}{440\,\text{Hz}} \approx 3{,}4\,\text{m} (in Luft 0,77 m0{,}77\,\text{m}). In der Simulation: cc vergrößern, ff gleich lassen. Vergleich: c = 0,8 m/s und c = 1,6 m/s

Ideen für den Unterricht

  • Einsatz: Einstieg in mechanische Wellen (Klasse 10 bzw. Oberstufe, je nach Lehrplanstand): Entstehung durch Kopplung, Unterscheidung transversal/longitudinal, Grundgleichung c=λ⋅fc = \lambda \cdot f, Momentaufnahme und Zeitverlauf. Gut für Erarbeitung an der Tafel (Wiedergabe anhalten, Zeitmarke setzen) und für Schülerarbeit mit den Aufträgen.
  • Modell: Die Bewegung wird analytisch berechnet: Jedes Teilchen wiederholt die Bewegung des Erregers mit der Verspätung x/cx/c (ideale, verlustfreie Kette ohne Reflexion am Ende, keine Dispersion). Die Kette ist 4 m4\,\text{m} lang, die Teilchen haben 10 cm10\,\text{cm} Abstand. Quer zur Kette wird die Transversalwelle zur besseren Sichtbarkeit überhöht gezeichnet (der Faktor steht im Bild); die Longitudinalwelle ist maßstäblich.
  • Darstellung: Die Färbung des Bandes zeigt die Teilchendichte. Ist 2πy^/λ≥12\pi\hat y/\lambda \ge 1, würden sich benachbarte Teilchen der Longitudinalwelle überholen – die Simulation weist darauf hin.
  • Häufige Stolpersteine:
    • „Die Teilchen wandern mit der Welle mit.“ – Sie schwingen nur um ihre Ruhelage; transportiert wird Energie bzw. der Schwingungszustand (roter Schwingungsbereich, „Wellenberg verfolgen“).
    • „Eine höhere Frequenz macht die Welle schneller.“ – cc hängt vom Träger ab; bei höherem ff wird λ\lambda kleiner.
    • „Die Momentaufnahme y(x)y(x) und das Diagramm y(t)y(t) sind dasselbe.“ – Gleiche Form, aber andere Achse: Abstand der Hochpunkte ist λ\lambda bzw. TT; außerdem sind sie gespiegelt (die Welle läuft nach rechts, das zuerst angeregte Teilchen ist links).
    • „Bei der Longitudinalwelle sind die Verdichtungen dort, wo die Teilchen am weitesten ausgelenkt sind.“ – Siehe Aufgabe 5.
  • Grenzen des Modells: Die Teilchen haben 10 cm10\,\text{cm} Abstand. Wird λ\lambda kürzer als etwa drei Teilchenabstände (z. B. f=2 Hzf = 2\,\text{Hz} und c=0,2 msc = 0{,}2\,\tfrac{\text{m}}{\text{s}}), kann die Kette die Welle nicht mehr erkennbar zeigen; die Simulation weist darauf hin. Die Kurve der Momentaufnahme bleibt richtig.