PhysikKlasse 10–13

Interferenz zweier Kreiswellen

Zwei Kreiswellen überlagern sich und verstärken sich an manchen Stellen, an anderen löschen sie sich aus.

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Worum geht es?

In einer Wellenwanne tauchen zwei Erreger E1E_1 und E2E_2 im Abstand dd im gleichen Takt ins Wasser. Jeder erzeugt Kreiswellen mit derselben Wellenlänge λ=cf\lambda = \frac{c}{f}. Wo sich die Wellen treffen, addieren sich ihre Auslenkungen (Superposition): y=y1+y2y = y_1 + y_2.

Ob sie sich in einem Punkt PP verstärken oder auslöschen, hängt nur von den Wegstrecken s1s_1 und s2s_2 ab, die die Wellen bis PP zurücklegen, genauer vom Gangunterschied

Δs=s1−s2.\Delta s = s_1 - s_2 .

Bei gleichphasigen Erregern gilt:

  • Maximum (konstruktive Interferenz): Δs=k⋅λ\Delta s = k \cdot \lambda – Berg trifft auf Berg, Tal auf Tal, die Amplitude ist 2y^2\hat y.
  • Minimum (destruktive Interferenz): Δs=(k+12)⋅λ\Delta s = \left(k + \tfrac{1}{2}\right) \cdot \lambda – Berg trifft auf Tal, das Wasser bleibt in Ruhe.

Dabei ist k=0,±1,±2,…k = 0, \pm 1, \pm 2, \dots die Ordnung. Allgemein schwingt PP mit der Amplitude

A=2y^⋅∣cos⁡δ2∣mitδ=2π⋅Δsλ+Δφ,A = 2\hat y \cdot \left|\cos\frac{\delta}{2}\right| \quad \text{mit} \quad \delta = 2\pi \cdot \frac{\Delta s}{\lambda} + \Delta\varphi ,

wobei Δφ\Delta\varphi der Phasenunterschied der Erreger ist. Im Zeigerdiagramm sieht man das direkt: Die beiden Zeiger der Länge y^\hat y werden aneinandergehängt; ihre Summe ist lang, wenn sie in dieselbe Richtung zeigen, und null, wenn sie entgegengesetzt sind.

Alle Punkte mit demselben Gangunterschied liegen auf einer Hyperbel mit den Brennpunkten E1E_1 und E2E_2. Deshalb sieht man im Wasser ruhige Knotenlinien und stark bewegte Bauchlinien, die wie ein Fächer auseinanderlaufen. Weil nach der Dreiecksungleichung ∣Δs∣≤d|\Delta s| \le d ist, gibt es nur endlich viele: Bei gleichphasigen Erregern ist ∣k∣≤dλ|k| \le \frac{d}{\lambda}. Für d=3λd = 3\lambda sind das die 77 Bauchlinien k=−3,…,3k = -3, \dots, 3; die äußersten liegen auf der Verbindungsachse außerhalb der Erreger.

Fernfeld: Weit weg von den Erregern nähern sich die Hyperbeln Geraden durch die Mitte. Für ihre Richtung gilt

sin⁡αk=Δskd=k⋅λd.\sin \alpha_k = \frac{\Delta s_k}{d} = k \cdot \frac{\lambda}{d} .

Genau diese Formel begegnet dir beim Doppelspalt mit Licht wieder.

Zur Darstellung: Im Momentbild sind Wellenberge hell und Täler dunkel. Das Amplitudenbild zeigt, wie stark das Wasser an jeder Stelle im Mittel schwingt: dunkel = Knoten, hell = Bauch. Die Wellen schwingen in Wirklichkeit mit etwa 10 Hz10\,\text{Hz}; im Bild laufen sie stark verlangsamt (oben rechts steht, wie stark). Die Dämpfung der Wellen wird vernachlässigt.

Ausprobieren

  1. Drücke „Wellen neu starten“. Wo entsteht das Muster zuerst? Ab wann ändert es sich nicht mehr?
  2. Ziehe den Korken PP (den Messpunkt) auf eine ruhige Linie und lies Δs\Delta s ab. Wiederhole das auf einer anderen ruhigen Linie. Was fällt dir auf?
  3. Schalte auf das Amplitudenbild um und blende beide Linienarten ein. Beispiel laden
  4. Ziehe E2E_2 langsam nach außen. Wie viele Bauchlinien gibt es bei d=2λd = 2\lambda, 3λ3\lambda, 4λ4\lambda? Was passiert, wenn eine neue Linie „geboren“ wird?
  5. Mach dd kleiner als λ2\frac{\lambda}{2}. Warum verschwinden alle Knotenlinien? d < λ/2
  6. Stelle Δφ=180°\Delta\varphi = 180° ein. Was passiert auf der Mittelsenkrechten? Beobachte dazu das Zeigerdiagramm. Gegenphasig
  7. Blende das Fernfeld ein und vergleiche die gestrichelten Richtungen mit den Hyperbeln weit oben. Fernfeld

Aufgaben

Aufgabe 1: Maximum oder Minimum?

Die Erreger sind 6 cm6\,\text{cm} voneinander entfernt und schwingen gleichphasig mit λ=2 cm\lambda = 2\,\text{cm}. Der Punkt PP liegt 8 cm8\,\text{cm} senkrecht über E2E_2. Bestimme s1s_1, s2s_2 und Δs\Delta s. Wie schwingt das Wasser in PP? Aufgabe laden

Lösung anzeigen

s2=8 cms_2 = 8\,\text{cm}, s1=(6 cm)2+(8 cm)2=10 cms_1 = \sqrt{(6\,\text{cm})^2 + (8\,\text{cm})^2} = 10\,\text{cm}, also Δs=2 cm=1⋅λ\Delta s = 2\,\text{cm} = 1 \cdot \lambda. PP liegt auf der Bauchlinie erster Ordnung und schwingt mit der Amplitude 2y^2\hat y. In der Simulation zeigen

Aufgabe 2: Teilweise Verstärkung

Wie Aufgabe 1, aber mit λ=1,6 cm\lambda = 1{,}6\,\text{cm}. Berechne die Amplitude in PP. Aufgabe laden

Lösung anzeigen

Δsλ=2 cm1,6 cm=1,25\frac{\Delta s}{\lambda} = \frac{2\,\text{cm}}{1{,}6\,\text{cm}} = 1{,}25, also δ=2,5π\delta = 2{,}5\pi und A=2y^⋅∣cos⁡(1,25π)∣≈1,41 y^A = 2\hat y \cdot |\cos(1{,}25\pi)| \approx 1{,}41\,\hat y. Die Zeiger stehen senkrecht aufeinander. In der Simulation zeigen

Aufgabe 3: Linien zählen

Wie viele Bauch- und Knotenlinien gibt es bei d=7 cmd = 7\,\text{cm} und λ=2 cm\lambda = 2\,\text{cm} (gleichphasig)? Aufgabe laden

Lösung anzeigen

Bauchlinien: ∣k∣≤72=3,5|k| \le \frac{7}{2} = 3{,}5, also k=−3,…,3k = -3, \dots, 3: 77 Linien. Knotenlinien: ∣Δs∣=1,3,5,7 cm≤d|\Delta s| = 1, 3, 5, 7\,\text{cm} \le d, also 88 Linien – die beiden mit ∣Δs∣=7 cm=d|\Delta s| = 7\,\text{cm} = d liegen auf der Verbindungsachse außerhalb der Erreger. In der Simulation zeigen

Aufgabe 4: Gegenphasige Erreger

Was ändert sich in Aufgabe 1, wenn E2E_2 gegenphasig schwingt (Δφ=180°\Delta\varphi = 180°)? Welche Linie liegt jetzt auf der Mittelsenkrechten?

Lösung anzeigen

Der zusätzliche Phasenunterschied π\pi vertauscht Maxima und Minima: In PP ist δ=2π+π\delta = 2\pi + \pi, also A=0A = 0. Auf der Mittelsenkrechten (Δs=0\Delta s = 0) liegt jetzt eine Knotenlinie. Bauchlinien gibt es für Δs=±1,±3,±5 cm\Delta s = \pm 1, \pm 3, \pm 5\,\text{cm}, also 66 Stück. In der Simulation zeigen

Aufgabe 5: Fernfeld

Bei d=4 cmd = 4\,\text{cm} und λ=1,2 cm\lambda = 1{,}2\,\text{cm}: Unter welchen Winkeln zur Mittelsenkrechten liegen weit weg die Bauchlinien? Wie viele gibt es insgesamt? Aufgabe laden

Lösung anzeigen

sin⁡αk=k⋅1,24=0,3⋅k\sin\alpha_k = k \cdot \frac{1{,}2}{4} = 0{,}3 \cdot k: α1≈17,5°\alpha_1 \approx 17{,}5°, α2≈36,9°\alpha_2 \approx 36{,}9°, α3≈64,2°\alpha_3 \approx 64{,}2°. Für k=4k = 4 wäre sin⁡α>1\sin\alpha > 1. Insgesamt 77 Bauchlinien (k=−3,…,3k = -3, \dots, 3). In der Simulation zeigen

Aufgabe 6: Wellenlänge messen

In einer Wellenwanne mit d=5 cmd = 5\,\text{cm} misst man weit weg das erste Maximum unter α1=23,6°\alpha_1 = 23{,}6°. Bestimme λ\lambda und mit c=20 cmsc = 20\,\frac{\text{cm}}{\text{s}} die Frequenz der Erreger.

Lösung anzeigen

λ=d⋅sin⁡α1=5 cm⋅0,400≈2,0 cm\lambda = d \cdot \sin\alpha_1 = 5\,\text{cm} \cdot 0{,}400 \approx 2{,}0\,\text{cm}, f=cλ=10 Hzf = \frac{c}{\lambda} = 10\,\text{Hz}. So bestimmt man später auch die Wellenlänge von Licht am Doppelspalt. Prüfen

Aufgabe 7: Phasenverschiebung verschiebt das Muster

Wie in Aufgabe 1 ist d=6 cmd = 6\,\text{cm} und λ=2 cm\lambda = 2\,\text{cm}. Jetzt eilt E2E_2 aber dem Erreger E1E_1 um Δφ=90°\Delta\varphi = 90° voraus. Bei welchem Gangunterschied liegt die Bauchlinie, die vorher auf der Mittelsenkrechten lag? Liegt sie jetzt näher an E1E_1 oder an E2E_2? Wie viele Bauchlinien gibt es? Aufgabe laden

Lösung anzeigen

Maximum heißt δ=2π⋅Δsλ+π2=k⋅2π\delta = 2\pi \cdot \frac{\Delta s}{\lambda} + \frac{\pi}{2} = k \cdot 2\pi, also Δs=(k−14)⋅λ\Delta s = \left(k - \tfrac{1}{4}\right) \cdot \lambda. Für k=0k = 0 ist Δs=−0,5 cm\Delta s = -0{,}5\,\text{cm}: Dort ist s1s_1 um 0,5 cm0{,}5\,\text{cm} kürzer als s2s_2. Die Linie ist also zu E1E_1 hin gerückt, zu dem Erreger, der nachhinkt. Seine Welle hat einen kürzeren Weg und holt so die Viertelperiode auf. Bauchlinien gibt es für Δs=−4,5; −2,5; −0,5; 1,5; 3,5; 5,5 cm\Delta s = -4{,}5;\ -2{,}5;\ -0{,}5;\ 1{,}5;\ 3{,}5;\ 5{,}5\,\text{cm}, also 66 Stück. Das Muster ist nicht mehr symmetrisch. In der Simulation zeigen

Ideen für den Unterricht

  • Einsatz: In der Oberstufe beim Thema Interferenz mechanischer Wellen, als Vorbereitung auf den Doppelspalt und das Gitter. Gut als Ergänzung zum Realexperiment in der Wellenwanne: Was dort schnell und flüchtig ist, lässt sich hier anhalten, verlangsamen und vermessen. Die Zuordnung zu einer bestimmten Klassenstufe hängt vom Lehrplan ab.
  • Vorschlag für den Ablauf: zuerst das Momentbild beobachten und die ruhigen Linien finden lassen, dann mit dem Messpunkt die Bedingung Δs=(k+12)⋅λ\Delta s = (k + \frac{1}{2}) \cdot \lambda selbst entdecken, erst danach das Amplitudenbild und die Hyperbeln zeigen. Mit „Werte im Bild anzeigen“ aus (val=0) lassen sich Messaufgaben stellen.
  • Modell: gleich große Amplituden, keine Dämpfung, ideale Punktquellen. In der echten Wellenwanne nimmt die Amplitude mit dem Abstand ab; die Knotenlinien sind dann nicht ganz in Ruhe.
  • Häufige Stolpersteine:
    • „Auf den Knotenlinien gibt es keine Wellen.“ – Beide Wellen laufen dort hindurch, sie heben sich nur gegenseitig auf.
    • „Der Gangunterschied ist der Abstand zwischen den Erregern.“ – Δs\Delta s ist der Unterschied der Wege zum Punkt PP; nur auf der Verbindungsachse außerhalb der Erreger ist ∣Δs∣=d|\Delta s| = d.
    • „Mehr Abstand, gleiche Linien, nur weiter auseinander.“ – Mit größerem dd entstehen zusätzliche Linien, ihre Zahl hängt von dλ\frac{d}{\lambda} ab.
    • „Interferenz geht mit beliebigen Wellen.“ – Ein stabiles Muster gibt es nur bei gleicher Frequenz und festem Phasenunterschied (Kohärenz).
  • Weiterführend: Doppelspalt und Gitter mit Licht, Interferenz von Schall (zwei Lautsprecher), Gegenschall in Kopfhörern.