PhysikKlasse 10–12

Fadenpendel

Lenke ein Pendel aus, lass es los und miss, wie lange eine Schwingung dauert. Wovon hängt das ab? Auch mit großen Winkeln und Dämpfung.

Simulation wird geladen …

Worum geht es?

Ein Fadenpendel besteht aus einem kleinen, schweren Körper an einem Faden der Länge ll. Lenkt man ihn um den Winkel φ0\varphi_0 aus und lässt los, zieht die Rückstellkraft FR=m⋅g⋅sin⁡φF_R = m \cdot g \cdot \sin\varphi ihn zur Ruhelage zurück. Die Zeit für eine volle Hin- und Herbewegung heißt Periodendauer TT.

Für kleine Auslenkungen gilt sin⁡φ≈φ\sin\varphi \approx \varphi (im Bogenmaß). Dann ist die Rückstellkraft proportional zur Auslenkung, das Pendel schwingt harmonisch, und es gilt

T0=2πlg.T_0 = 2\pi \sqrt{\frac{l}{g}}.

T0T_0 hängt nur von der Länge und vom Ortsfaktor gg ab – nicht von der Masse: Eine schwerere Kugel erfährt zwar eine größere Rückstellkraft, ist aber im gleichen Maß träger. Quadriert man, erhält man T2=4π2g⋅lT^2 = \frac{4\pi^2}{g} \cdot l: Trägt man T2T^2 über ll auf, liegen die Messpunkte auf einer Ursprungsgeraden mit der Steigung k=4π2/gk = 4\pi^2/g. So lässt sich gg messen.

Bei großen Auslenkungen wird die Periodendauer länger, weil die Rückstellkraft mgsin⁡φm g \sin\varphi dann kleiner ist als mgφm g \varphi. Eine gute Näherung bis etwa 60∘60^\circ ist

T≈T0⋅(1+φ0216)(φ0 im Bogenmaß).T \approx T_0 \cdot \left(1 + \frac{\varphi_0^2}{16}\right) \quad (\varphi_0 \text{ im Bogenmaß}).

Bis etwa 22,8∘22{,}8^\circ weicht TT um weniger als 1 %1\,\% von T0T_0 ab, bei 90∘90^\circ sind es schon 18 %18\,\%. Die Simulation rechnet nicht mit einer Näherung: Sie löst die Bewegungsgleichung mit sin⁡φ\sin\varphi Schritt für Schritt (numerisch). Die exakte Periodendauer im Ergebnisfeld berechnet sie mit dem arithmetisch-geometrischen Mittel (AGM): Man bildet aus 11 und cos⁡φ02\cos\tfrac{\varphi_0}{2} immer wieder das arithmetische Mittel a+b2\tfrac{a+b}{2} und das geometrische Mittel ab\sqrt{a b}, bis beide gleich sind. Dann gilt T=T0/AGM⁡(1; cos⁡φ02)T = T_0 / \operatorname{AGM}(1;\, \cos\tfrac{\varphi_0}{2}). Das ist gleichwertig zum elliptischen Integral aus der Formelsammlung der Hochschule – für die Schule genügt die Näherung oben.

Energie: Lageenergie und Bewegungsenergie wandeln sich ineinander um:

Epot=mgl(1−cos⁡φ)Ekin=12mv2E_\text{pot} = m g l (1 - \cos\varphi) \qquad E_\text{kin} = \tfrac{1}{2} m v^2

Die Fadenkraft ist im tiefsten Punkt am größten: FS=mgcos⁡φ+mv2/lF_S = m g \cos\varphi + m v^2/l. Ein Faden kann nur ziehen. Für ∣φ0∣>90∘|\varphi_0| > 90^\circ würde er schlaff – die Simulation rechnet dann mit einer starren Stange. Mit Dämpfung nimmt die Amplitude ungefähr mit e−γte^{-\gamma t} ab (mit der Abklingkonstanten γ=k/2\gamma = k/2; kk ist die Dämpfung am Regler).

Ausprobieren

  1. Ziehe die Kugel zur Seite und lass sie los. Beobachte, wie die Energie-Säulen zwischen Lage- und Bewegungsenergie pendeln, während die Summe gleich bleibt.
  2. Verändere während des Schwingens die Masse. Was passiert mit der Bewegung, was mit den Energien?
  3. Schalte die Kraftpfeile ein. Wo ist die Rückstellkraft am größten, wo die Fadenkraft? Kräfte aus 90°
  4. Vergleiche mit der Kleinwinkelnäherung (gestricheltes „Geisterpendel“): Bei 70∘70^\circ läuft die Näherung im Diagramm sichtbar davon. Diagramme
  5. Messreihe: Stoppe 10 Schwingungen bei verschiedenen Längen. Ab zwei verschiedenen Längen wertet die Simulation T2T^2 über ll unter den Ergebnissen aus, ab drei Längen auch im Diagramm. Welchen Wert für gg erhältst du? Wiederhole auf dem Mond. Messreihe
  6. Tippe im Diagramm T/T0T/T_0 über φ0\varphi_0 verschiedene Winkel an und suche den Winkel, ab dem die Näherung mehr als 1 %1\,\% daneben liegt. Bei welchem Winkel würde ein Faden schlaff? Große Auslenkung
  7. Mit Dämpfung wird die Bahn im Phasendiagramm zur Spirale. Gedämpft

Aufgaben

Aufgabe 1: Sekundenpendel

Wie lang muss ein Pendel auf der Erde sein, damit jede Halbschwingung genau 1 s1\,\text{s} dauert (T=2 sT = 2\,\text{s})? Stelle die Länge so ein, dass T0=2,00 sT_0 = 2{,}00\,\text{s} angezeigt wird. Ausprobieren

Lösung anzeigen

l=g⋅(T2π)2=9,81 ms2⋅(2 s2π)2≈0,994 ml = g \cdot \left(\frac{T}{2\pi}\right)^2 = 9{,}81\,\tfrac{\text{m}}{\text{s}^2} \cdot \left(\frac{2\,\text{s}}{2\pi}\right)^2 \approx 0{,}994\,\text{m}

Mit dem Regler (l=0,99 ml = 0{,}99\,\text{m}) ergibt sich T0≈2,00 sT_0 \approx 2{,}00\,\text{s}. Deshalb waren Standuhren mit Sekundenpendel so groß.

Aufgabe 2: g aus einer Messreihe

Eine Gruppe misst T=1,42 sT = 1{,}42\,\text{s} bei 0,5 m0{,}5\,\text{m}, T=2,01 sT = 2{,}01\,\text{s} bei 1,0 m1{,}0\,\text{m} und T=2,46 sT = 2{,}46\,\text{s} bei 1,5 m1{,}5\,\text{m}. Bestimme gg aus der Steigung von T2T^2 über ll. Selbst messen

Lösung anzeigen

T2≈2,016 s2T^2 \approx 2{,}016\,\text{s}^2; 4,040 s24{,}040\,\text{s}^2; 6,052 s26{,}052\,\text{s}^2. Die Ursprungsgerade hat die Steigung k=∑l T2∑l2=14,1263,5≈4,036 s2mk = \frac{\sum l\,T^2}{\sum l^2} = \frac{14{,}126}{3{,}5} \approx 4{,}036\,\tfrac{\text{s}^2}{\text{m}}, also g=4π2k≈9,78 ms2g = \frac{4\pi^2}{k} \approx 9{,}78\,\tfrac{\text{m}}{\text{s}^2} – nah am Tabellenwert 9,81 ms29{,}81\,\tfrac{\text{m}}{\text{s}^2}.

Aufgabe 3: Pendel auf dem Mond

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Wie groß ist T0T_0 eines 1 m1\,\text{m} langen Pendels auf dem Mond (g=1,62 ms2g = 1{,}62\,\tfrac{\text{m}}{\text{s}^2})?

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T0=2π1/1,62 s≈4,94 sT_0 = 2\pi \sqrt{1 / 1{,}62}\,\text{s} \approx 4{,}94\,\text{s} – das 9,81/1,62≈2,46\sqrt{9{,}81/1{,}62} \approx 2{,}46-Fache des Erdwerts. In der Simulation zeigen

Aufgabe 4: Energie und Fadenkraft

Die Kugel (m=0,5 kgm = 0{,}5\,\text{kg}, l=1 ml = 1\,\text{m}) wird um 20∘20^\circ ausgelenkt. Wie schnell ist sie im tiefsten Punkt? Wie groß ist dort die Fadenkraft, wenn man stattdessen aus 90∘90^\circ loslässt?

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h=l(1−cos⁡20∘)≈0,0603 mh = l(1 - \cos 20^\circ) \approx 0{,}0603\,\text{m}, Epot≈0,296 JE_\text{pot} \approx 0{,}296\,\text{J}. Aus mgh=12mv2m g h = \tfrac12 m v^2 folgt v=2gh≈1,09 msv = \sqrt{2 g h} \approx 1{,}09\,\tfrac{\text{m}}{\text{s}} – unabhängig von der Masse.

Aus 90∘90^\circ: v2=2glv^2 = 2 g l, also FS=mg+mv2/l=3⋅mg≈14,7 NF_S = m g + m v^2 / l = 3 \cdot m g \approx 14{,}7\,\text{N} – dreimal die Gewichtskraft. Kräfte zeigen

Aufgabe 5: Große Auslenkung

Um wie viel Prozent ist die Periodendauer bei φ0=90∘\varphi_0 = 90^\circ länger als T0T_0? Warum wird ein Faden bei φ0=120∘\varphi_0 = 120^\circ schlaff?

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T/T0=1/AGM⁡(1; cos⁡45∘)≈1,180T/T_0 = 1/\operatorname{AGM}(1;\, \cos 45^\circ) \approx 1{,}180, also rund 18 %18\,\% länger (T≈2,37 sT \approx 2{,}37\,\text{s} bei l=1 ml = 1\,\text{m}). Bei 120∘120^\circ liegt die Kugel über dem Aufhängepunkt; dort gilt FS=mg(3cos⁡φ−2cos⁡φ0)F_S = m g (3\cos\varphi - 2\cos\varphi_0), und schon beim Loslassen ist FS=mgcos⁡120∘<0F_S = m g \cos 120^\circ < 0. Ein Faden kann nicht drücken – die Kugel fiele zunächst frei. Große Auslenkung

Ideen für den Unterricht

  • Einsatz: Mechanische Schwingungen und Energieerhaltung, je nach Lehrplan Klasse 10 bis 12. Die Messreihe eignet sich als Ergänzung oder Vorbereitung eines echten Schülerversuchs mit Stoppuhr.
  • Messen: Die Simulation stoppt 10 Schwingungen mit zufälliger Reaktionszeit (abschaltbar). So lässt sich besprechen, warum man viele Perioden misst und warum eine kleine Auslenkung gewählt wird (bei 20∘20^\circ ist TT schon 0,8 %0{,}8\,\% zu lang).
  • Modell: Massepunkt an masselosem Faden, exakte Bewegungsgleichung φ¨=−glsin⁡φ−2γφ˙\ddot\varphi = -\tfrac{g}{l}\sin\varphi - 2\gamma\dot\varphi numerisch gelöst; die Kleinwinkelnäherung läuft als gestricheltes Vergleichspendel mit. Für ∣φ0∣>90∘|\varphi_0| > 90^\circ starre Stange statt Faden.
  • Häufige Stolpersteine:
    • „Ein schwereres Pendel schwingt schneller.“ – Die Masse kürzt sich heraus.
    • „Bei größerer Auslenkung ist die Kugel schneller, also ist TT kleiner.“ – Bei kleinen Winkeln gleicht sich das genau aus, bei großen wird TT sogar länger.
    • „Die Fadenkraft ist immer gleich der Gewichtskraft.“ – Im tiefsten Punkt ist sie größer, weil zusätzlich die Zentripetalkraft mv2/lm v^2 / l aufgebracht werden muss.