PhysikKlasse 12–13 · Uni

Elektronenbeugung

Elektronen treffen auf eine dünne Graphitschicht und bilden Ringe auf dem Schirm, wie es nur Wellen tun.

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Worum geht es?

In der Elektronenbeugungsröhre treten aus einer Glühkathode Elektronen aus und werden mit der Spannung UU zur Anode hin beschleunigt. Danach fliegen sie durch eine sehr dünne Graphitfolie und treffen auf einen Leuchtschirm. Erwartet man Teilchen, sollte dort nur ein heller Fleck entstehen. Man sieht aber zusätzlich zwei helle Ringe – ein typisches Beugungsmuster, wie man es von Wellen kennt.

De Broglie hat 1924 vorgeschlagen: Auch Teilchen mit dem Impuls pp haben eine Wellenlänge,

λ=hp=hm⋅v.\lambda = \frac{h}{p} = \frac{h}{m \cdot v}.

Aus der Energie im elektrischen Feld e⋅U=12mv2e \cdot U = \frac{1}{2} m v^2 folgt p=2⋅m⋅e⋅Up = \sqrt{2 \cdot m \cdot e \cdot U} und damit

λ=h2⋅m⋅e⋅U≈1,226 nmU/V.\lambda = \frac{h}{\sqrt{2 \cdot m \cdot e \cdot U}} \approx \frac{1{,}226\,\text{nm}}{\sqrt{U/\text{V}}}.

Bei U=4 kVU = 4\,\text{kV} ist λ≈19,4 pm\lambda \approx 19{,}4\,\text{pm} – viel kleiner als die Wellenlänge von Licht, aber in der Größenordnung der Atomabstände im Kristall.

Graphit besteht aus vielen winzigen Kristallen, die in alle Richtungen gedreht sind. An parallelen Netzebenen mit dem Abstand dd verstärken sich die gestreuten Wellen nach der Bragg-Bedingung

2⋅d⋅sin⁡θ=k⋅λ(k=1,2,…).2 \cdot d \cdot \sin\theta = k \cdot \lambda \qquad (k = 1, 2, \ldots).

Die hellen Ringe auf dem Schirm gehören zur ersten Ordnung k=1k = 1; nur sie sind in der Simulation gezeichnet. Ringe höherer Ordnung sind in der Röhre viel schwächer.

Der Strahl wird dabei um 2θ2\theta abgelenkt. Weil die Kristalle in allen Richtungen liegen, bilden alle abgelenkten Strahlen einen Kegel – auf dem Schirm im Abstand LL einen Ring mit

r=L⋅tan⁡2θ≈L⋅2θ≈L⋅λd.r = L \cdot \tan 2\theta \approx L \cdot 2\theta \approx \frac{L \cdot \lambda}{d}.

Graphit hat zwei wichtige Netzebenenabstände: d1=0,213 nmd_1 = 0{,}213\,\text{nm} (innerer Ring) und d2=0,123 nmd_2 = 0{,}123\,\text{nm} (äußerer Ring). In der Röhre ist L=13,5 cmL = 13{,}5\,\text{cm}. Wichtig: r∼λ∼1Ur \sim \lambda \sim \frac{1}{\sqrt{U}} – höhere Spannung, kleinere Ringe.

Welle und Teilchen: Auf dem Schirm kommt jedes Elektron an einem einzelnen Punkt an. Erst viele Elektronen zusammen zeigen das Ringmuster. Die Welle bestimmt nur, wo ein Elektron mit welcher Wahrscheinlichkeit auftrifft.

Zur Darstellung: Die de-Broglie-Welle im Strahl ist um ein Vielfaches vergrößert gezeichnet; ihre Länge ändert sich aber im richtigen Verhältnis mit UU. Der Schirm ist hier eben gezeichnet; echte Röhren haben einen gekrümmten Kolben, das ändert die Radien nur wenig. Relativistisch gerechnet wird λ\lambda nur wenig kleiner: bei 4 kV4\,\text{kV} um etwa 0,2 %0{,}2\,\%, bei 8 kV8\,\text{kV} um etwa 0,4 %0{,}4\,\%. Das liegt weit unter der Messgenauigkeit; die Simulation rechnet deshalb nichtrelativistisch.

Ausprobieren

  1. Beobachte den Schirm: Wie entsteht das Ringmuster aus einzelnen Elektronen? Beispiel laden
  2. Verändere UU. Wie ändern sich Geschwindigkeit, Wellenlänge und die Ringe? Kleine Spannung · Große Spannung
  3. Ziehe den gestrichelten Messkreis auf den inneren Ring und lies r1r_1 ab. Vergleiche mit r1≈L⋅λd1r_1 \approx \frac{L \cdot \lambda}{d_1}. Ring ausmessen
  4. Nimm mit „Messreihe automatisch“ Messwerte auf. Welche Form hat der Graph rr über UU?
  5. Schalte auf rr über 1U\frac{1}{\sqrt{U}} um. Was erkennst du? Linearisierung

Aufgaben

Aufgabe 1: Wellenlänge der Elektronen

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Berechne Geschwindigkeit, Impuls und de-Broglie-Wellenlänge der Elektronen bei U=4,0 kVU = 4{,}0\,\text{kV} (m=9,11⋅10−31 kgm = 9{,}11 \cdot 10^{-31}\,\text{kg}).

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v=2eUm=2⋅1,602⋅10−19 C⋅4000 V9,11⋅10−31 kg≈3,75⋅107 msv = \sqrt{\frac{2 e U}{m}} = \sqrt{\frac{2 \cdot 1{,}602 \cdot 10^{-19}\,\text{C} \cdot 4000\,\text{V}}{9{,}11 \cdot 10^{-31}\,\text{kg}}} \approx 3{,}75 \cdot 10^{7}\,\frac{\text{m}}{\text{s}}, p=m⋅v≈3,42⋅10−23 kg⋅msp = m \cdot v \approx 3{,}42 \cdot 10^{-23}\,\text{kg}\cdot\frac{\text{m}}{\text{s}}, λ=hp≈1,94⋅10−11 m=19,4 pm\lambda = \frac{h}{p} \approx 1{,}94 \cdot 10^{-11}\,\text{m} = 19{,}4\,\text{pm}. In der Simulation zeigen

Aufgabe 2: Ringradius vorhersagen

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Berechne den Bragg-Winkel und den Radius des inneren Rings bei U=4,0 kVU = 4{,}0\,\text{kV}.

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sin⁡θ1=λ2d1=19,4 pm426 pm≈0,0455\sin\theta_1 = \frac{\lambda}{2 d_1} = \frac{19{,}4\,\text{pm}}{426\,\text{pm}} \approx 0{,}0455, also θ1≈2,61°\theta_1 \approx 2{,}61° und 2θ1≈5,22°2\theta_1 \approx 5{,}22°. r1=13,5 cm⋅tan⁡5,22°≈12,3 mmr_1 = 13{,}5\,\text{cm} \cdot \tan 5{,}22° \approx 12{,}3\,\text{mm}. Die Näherung r≈Lλdr \approx \frac{L \lambda}{d} gibt ebenfalls 12,3 mm12{,}3\,\text{mm}. In der Simulation zeigen

Aufgabe 3: Netzebenenabstand messen

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Bei U=5,0 kVU = 5{,}0\,\text{kV} misst man für den inneren Ring r1=11,0 mmr_1 = 11{,}0\,\text{mm}. Bestimme den Netzebenenabstand d1d_1.

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λ=1,226 nm5000≈17,3 pm\lambda = \frac{1{,}226\,\text{nm}}{\sqrt{5000}} \approx 17{,}3\,\text{pm}. d1≈L⋅λr1=135 mm⋅17,3 pm11,0 mm≈0,213 nmd_1 \approx \frac{L \cdot \lambda}{r_1} = \frac{135\,\text{mm} \cdot 17{,}3\,\text{pm}}{11{,}0\,\text{mm}} \approx 0{,}213\,\text{nm}. In der Simulation zeigen

Aufgabe 4: Doppelte Spannung

Wie ändert sich der Ringradius, wenn man die Spannung von 4 kV4\,\text{kV} auf 8 kV8\,\text{kV} verdoppelt?

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r∼λ∼1Ur \sim \lambda \sim \frac{1}{\sqrt{U}}, also wird rr um den Faktor 2\sqrt{2} kleiner: r1≈12,3 mm1,41≈8,7 mmr_1 \approx \frac{12{,}3\,\text{mm}}{1{,}41} \approx 8{,}7\,\text{mm}. In der Simulation zeigen

Aufgabe 5: Auswertung mit Linearisierung

Erkläre, warum die Messpunkte im Diagramm rr über 1U\frac{1}{\sqrt{U}} auf einer Ursprungsgeraden liegen. Wie bestimmt man aus der Steigung kk den Netzebenenabstand? Linearisierung

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r≈Lλd=L⋅hd⋅2me⋅1Ur \approx \frac{L \lambda}{d} = \frac{L \cdot h}{d \cdot \sqrt{2 m e}} \cdot \frac{1}{\sqrt{U}}, also r=k⋅1Ur = k \cdot \frac{1}{\sqrt{U}} mit k=Lhd2mek = \frac{L h}{d \sqrt{2 m e}}. Daraus d=Lhk2med = \frac{L h}{k \sqrt{2 m e}}. Die Simulation zeigt diese Auswertung nach einer Messreihe unter „Auswertung“.

Aufgabe 6: Spannung für einen bestimmten Ring

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Welche Spannung braucht man, damit der innere Ring den Radius r1=10 mmr_1 = 10\,\text{mm} hat? Rechne mit der Näherung r≈L⋅λdr \approx \frac{L \cdot \lambda}{d}.

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λ≈r1⋅d1L=10 mm⋅0,213 nm135 mm≈15,8 pm\lambda \approx \frac{r_1 \cdot d_1}{L} = \frac{10\,\text{mm} \cdot 0{,}213\,\text{nm}}{135\,\text{mm}} \approx 15{,}8\,\text{pm}. Aus λ≈1,226 nmU/V\lambda \approx \frac{1{,}226\,\text{nm}}{\sqrt{U/\text{V}}} folgt U/V≈1226 pm15,8 pm≈77,7\sqrt{U/\text{V}} \approx \frac{1226\,\text{pm}}{15{,}8\,\text{pm}} \approx 77{,}7, also U≈6000 V=6,0 kVU \approx 6000\,\text{V} = 6{,}0\,\text{kV}. Bei 6,0 kV6{,}0\,\text{kV} zeigt die Simulation r1=10,1 mmr_1 = 10{,}1\,\text{mm}; der Messkreis mit 10 mm10\,\text{mm} liegt auf dem Ring. In der Simulation zeigen

Aufgabe 7: Warum nicht mit Licht?

Grünes Licht hat λ=530 nm\lambda = 530\,\text{nm}. Warum kann man damit an Graphit keine Beugungsringe erzeugen?

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Die Bragg-Bedingung sin⁡θ=λ2d\sin\theta = \frac{\lambda}{2d} ist nur für λ≤2d\lambda \le 2d erfüllbar. Mit 2d1=0,43 nm2 d_1 = 0{,}43\,\text{nm} ist Licht rund tausendmal zu langwellig. Elektronen mit einigen kV haben dagegen Wellenlängen im pm-Bereich.

Ideen für den Unterricht

  • Einsatz: in der Oberstufe beim Thema Quantenobjekte und Welle-Teilchen-Dualismus; die genaue Einordnung bitte am Lehrplan prüfen. Gut als Vor- oder Nachbereitung des Realexperiments mit der Elektronenbeugungsröhre: Hier lässt sich in Ruhe messen, auch ohne Hochspannung im Raum.
  • Möglicher Ablauf: erst das Ringmuster beobachten und die Wellenhypothese diskutieren, dann λ=hp\lambda = \frac{h}{p} herleiten, mit dem Messkreis Radien ablesen und schließlich über die Linearisierung den Netzebenenabstand bestimmen. Mit „Werte im Bild anzeigen“ aus (val=0) werden die Ergebnisse verdeckt.
  • Modell: ebener Schirm, nur die beiden Hauptringe, Messwerte mit etwa 1,5 %1{,}5\,\% Ablesefehler. Ein Teil der Elektronen geht ungebeugt durch (heller Fleck in der Mitte).
  • Häufige Stolpersteine:
    • „Die Elektronen werden an den Atomen abgelenkt wie Kugeln.“ – Dann gäbe es keine scharfen Ringe; erst die Welle mit fester Wellenlänge erklärt die festen Winkel.
    • „Der Ringradius ist der Netzebenenabstand.“ – rr hängt von LL, λ\lambda und dd ab; große Ringe gehören zu kleinem dd.
    • „Höhere Spannung, größere Ringe.“ – Umgekehrt: schnellere Elektronen haben kürzere Wellenlängen.
    • Beim Messen wird oft der Durchmesser DD abgelesen; dann gilt D≈2LλdD \approx \frac{2 L \lambda}{d}.
  • Weiterführend: Doppelspalt mit Elektronen, Elektronenmikroskop, Bragg-Reflexion von Röntgenstrahlen, Photoeffekt.